Bewegung tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch dem Geist. Gehen regt das Denken an und kann zu neuen Ideen inspirieren. Auf dem Höhenweg in Brand geht es in ein neues Jahr.
Ohne Bewegung kommt nichts Neues in die Welt„, lautet ein Sprichwort. Hilft spazieren und wandern also tatsächlich, um auf andere oder womöglich neue Gedanken zu kommen? Bereits in der Antike wurde das Gehen mit dem Denken in Verbindung gebracht. Durch den aufrechten Gang sei der Mensch den Göttern näher und könne so am Denken - was als göttliche Eigenschaft galt - teilhaben, so glaubte man.
Vielleicht verbirgt sich in dieser Überzeugung ein Funken Wahrheit. Wissenschaftliche Studien jedenfalls untermauern, dass die Psyche erst durch körperliche Aktivität richtig in Schwung kommt. Der französische Philosoph Michel Serres (1. Sept. 1930 - 1. Juni 2019) behauptete, das Gehen sei sogar der Anfang des Denkens überhaupt. Wer also seine Füße nur unter dem Schreibtisch ausstreckt oder auf dem Sofa hoch lagert, der lebt auf Dauer nicht nur ungesund, sondern läuft demnach auch Gefahr geistig still zu stehen. Bewegung aktiviert die Denkfähigkeit und verankert neue Informationen im neuronalen Netzwerk unseres Gehirns.
Die meisten Menschen können freier denken, wenn sie gleichzeitig einer körperlichen Betätigung nachgehen, die nicht viel Konzentration erfordert: Gartenarbeit, spazierengehen, joggen und ähnliches. Durch Bewegung wird das Gehirn immer wieder neu aktiviert und leistungsfähig gemacht. Der Zusammenhang zwischen Bewegung und Denken ist Teil des evolutionären Erbe des Menschen. Mittlerweile gibt es sogar entsprechende Coaching-Angebote in deren Rahmen die Klienten während Waldspaziergängen oder Wanderungen zu neuen Ideen inspiriert werden sollen.
Bilanz ziehen
Ein Ausflug ins Freie ist also eine gute Gelegenheit, dem Hirn ein wenig „auf die Sprünge“ zu helfen. Der Jahreswechsel ist naturgemäß eine Zeit, in der man auch im Privaten Bilanz über die vergangenen zwölf Monate zieht. 2021 hat wohl in allen Bereichen seine Spuren hinterlassen: tiefe Gräben ziehen sich durch die Gesellschaft, Frustration und Unsicherheit zerren an den Nerven. Wieso nicht den Silvesterspaziergang dazu nutzen, sich ein letztes Mal mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen, um anschließend Platz zu schaffen für das, was kommen wird? Der Ausgangspunkt für die letzte Tour im alten Jahr ist in Brand Innertal beim Pferdehof Alpenrose. Von dort geht es bergauf über den Bügmiweg auf 1160 Meter Höhe bevor man schließlich auf den Thurner-Höhenweg wechselt.
Weg vom Alltag
Bald eröffnet sich ein wunderbarer Ausblick über Brand sowie die umliegenden Berggipfel und gegenüberliegenden Hänge, die in blauen Schatten getaucht sind. Jeder Schritt trägt einen weiter fort von der Hektik des Alltags. Die frische Bergluft tut gut und in der Stille sind nur die eignen Schritte zu hören, die über die gefrorene Schneedecke knirschen. Ein guter Zeitpunkt um die Gedanken zu ordnen und „abzuarbeiten“.
Gedankenpaket schnüren
Was hat mich dieses Jahr bewegt? Wer hat mich die vergangenen Monate hindurch begleitet? Wen habe ich aus den Augen verloren? Was soll sich ändern? Dinge, mit denen man sich im neuen Jahr nicht mehr beschäftigen möchte, können im Gehen noch ein letztes Mal durchdacht werden, bevor man im Geiste ein Gedankenpaket schnürt, es am Wegrand deponiert und weiter marschiert. Im Gehen fällt dies viel leichter, als wenn man grübelnd zu Hause sitzt. Der Blick in die Ferne - über Giebel, Baumkronen, Dächer und Bergspitzen hinweg - hilft auch tatsächlich dabei gedankliche Grenzen und Blockaden zu überwinden und den Geist frei schweifen zu lassen.
Zu guter Letzt führt der Weg über eine kurze Strecke durch den Wald bevor es wieder hinab geht nach Brand und direkt bei der Kirche mündet. Nun kann man entweder dieselbe Route retour wählen, der Hauptstraße entlang gehen oder aber auf dem gespurten Weg entlang des Alvierbachs zum Ausgangspunkt folgen.
Daten & Fakten
Typ: gemütliche Wanderrunde
Dauer: 2 -2,5 Stunden
Ausgangspunkt: Innertal Brand
Aufstieg: ca. 350 Höhenmeter
Ausrüstung: Winterwanderschuhe mit guter Profilsohle, Kleidung im Mehrschicht-Prinzip, Sonnenschutz, eventuell Wanderstöcke
Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 81 von Bahnhof Bludenz
Einkehrmöglichkeiten: verschiedene Gasthäuser und Hotels in Brand (2G-Nachweis erforderlich)
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