Guten Morgen

Ein einziger Handschlag | Schrittweise Öffnung

Seit Montag, knapp nach 13 Uhr, ist er Bundeskanzler: Karl Nehammer wurde von Bundespräsident Alexander Van der Bellen angelobt, mit ihm waren die neuen Minister und die neue Staatssekretärin in der Hofburg „angetanzt“. Brav hinter FFP-2-Masken, die sie nur zum Gelöbnis-Spruch abnahmen. Die Hände gab man einander auch nicht - zu sehen war nur ein einziger Handschlag, jener zwischen dem neuen türkis-schwarzen Bundeskanzler und dem grünen Vizekanzler Werner Kogler. Ein gutes Zeichen? Fürs Land wäre es zu hoffen. Am kurzen Weg zwischen Kanzleramt und Hofburg ernteten der neue Regierungschef und die neuen Minister statt Applaus Buhrufe. Rund 200 Impfgegner hatten sich versammelt. Die Stimmung wird als aufgeheizt und aggressiv beschrieben. Aber wenigstens verzichtete die Politikerriege auf den peinlichen Marsch durch den unterirdischen Verbindungsgang und durchquerte die Demonstrantenmeute. Die schwarz-blaue Schüssel-Mannschaft hatte sich im Jahr 2000 durch den Tunnel geschlichen.

Schrittweise Öffnung. Ob es Nehammer gelingen wird, die Kluft zwischen Impfgegnern und -befürwortern zu verkleinern? Viel Hoffnung darf man nicht haben. Allein die Aussagen der stellvertretende Klubobfrau der FPÖ, Dagmar Belakowitsch, bei der Demo am Wochenende! Da hatte die Medizin-Absolventin davon gesprochen, wer die Spitäler füllt - das seien „nicht die bösen Ungeimpften“, das seien „ganz, ganz viele Geimpfte, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden müssen“. Die trockenen Fakten dazu: Laut dem Präsidenten der Intensivmediziner handelt es sich bei den Intensivpatienten zu 85 Prozent um Ungeimpfte. Ein Rundruf durch die wichtigsten Kliniken ergibt: kaum bis gar keine Patienten mit schwerwiegenden Impf-Folgen. Faktum ist, dass sich die Intensivstationen noch immer weiter füllen - gestern waren mit einem Plus von 10 Patienten bereits 661 Corona-Intensivbetten belegt. Neuerlich starben 48 Menschen. Das große ABER: Die Infektionszahlen sinken weiter deutlich. Und das macht Hoffnung. Morgen, am Feiertag, wird in einem Bund-Länder-Gipfel die weitere Vorgangsweise bestimmt. Alles spricht im Moment dafür, dass der harte Lockdown am Wochenende (außer in Oberösterreich) endet. Vieles spricht dafür, dass die Öffnungen aber zunächst schrittweise erfolgen - zuerst Handel, vermutlich erst etwas später die Gastronomie und noch lange nicht die Nachtgastronomie. Und eines steht außer Streit: Der Lockdown für Ungeimpfte geht unbefristet weiter.

Einen schönen Tag!

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