23.11.2021 11:04 |

Niedrige Geburtenrate

In China werden unerwartet wenige Babys geboren

Chinas Geburtenrate ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahrzehnten gefallen. Während dafür auch die Corona-Pandemie eine Rolle gespielt haben dürfte, sehen Experten vor allem die hohen Kosten für Wohnraum, Bildung und Gesundheit sowie die schwindende Bereitschaft zu heiraten verantwortlich dafür. Das bevölkerungsreichste Land der Welt ist mit 8,52 Neugeborenen auf 1000 Menschen erstmals in den einstelligen Bereich gerutscht.

Die Geburtenrate ist damit so niedrig wie seit 1978 nicht mehr, wie die Statistiker in ihrem neuen Jahrbuch berichteten. Wegen der rückläufigen Geburtenrate und der stabil bleibenden Zahl der Todesfälle bewegt sich das Milliardenvolk damit auf ein Nullwachstum zu.

Bevölkerungsrückgang steht bevor
„Wenn der Trend andauert, werden wir in ein paar Jahren einen Bevölkerungsrückgang haben“, sagte Professorin Song Jian von der Volksuniversität in Peking der Zeitung „Sixth Tone“. „Während die junge Bevölkerung noch schneller schrumpfen dürfte, wird sich das Problem der Überalterung verschärfen, was der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung schaden wird.“

Das Statistikamt gab das Bevölkerungswachstum für die zehn Jahre bis 2020 mit 0,53 Prozent an - nach noch 0,57 Prozent in den Jahren von 2000 bis 2010. Die Fruchtbarkeitsrate der Frauen im gebärfähigen Alter sei auf 1,3 gefallen. Das ist deutlich niedriger als die 2,1, die Experten für eine stabile Bevölkerungszahl für notwendig halten.

Ein-Kind-Politik hinterlässt Spuren
Das Ende der seit 1979 geltenden umstrittenen Ein-Kind-Politik vor sechs Jahren hat nur kurz zu einem leichten Aufschwung geführt, bis die Zahl der Geburten 2018 wieder unter den Stand von 2015 fiel. So gibt es heute 36 Prozent weniger Geburten als 2016 mit 18,83 Millionen, wie aus neueren Angaben in dem Jahrbuch hervorgeht.

Als Reaktion auf den Geburtenrückgang und die rapide Überalterung wurden im Mai dieses Jahres auch drei Kinder erlaubt. Außerdem bemüht sich die Regierung, es jungen Paaren leichter zu machen, Kinder zu haben. Die Kosten für Bildung wurden gesenkt. Finanzhilfen wurden gewährt und Mutterschafts- oder Elternurlaub erleichtert.

Doch sinkt schon die Heiratsbereitschaft. Die Zahl der Eheschließungen sank 2020 das siebente Jahr in Folge, wie aus dem Jahrbuch hervorgeht. Nur 8,1 Millionen Paare haben 2020 geheiratet - ein Rückgang von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Kinder zu teuer und schlecht für Karriere
In einer jüngsten Umfrage der Jugendliga gab knapp die Hälfte der Frauen an, nicht heiraten zu wollen oder unsicher zu sein, ob sie den Bund der Ehe schließen werden. Bei den Männern war es jeder Vierte. Es wurden 2905 Frauen und Männer im Alter von 18 bis 26 in Städten befragt. Mehr als die Hälfte meinte, dass Geburten und das Aufziehen von Kindern zu teuer seien. Auch verweisen Frauen häufig darauf, dass sich eine Mutterschaft negativ auf ihre berufliche Karriere auswirkt.

Chinas Bevölkerung wird immer älter
Somit müssen zunehmend weniger Werktätige in der zweitgrößten Volkswirtschaft immer mehr alte Leute versorgen. Wie die Volkszählung im Mai zeigte, schreitet die Überalterung der 1,4 Milliarden zählenden Bevölkerung unaufhaltsam voran: Die Zahl der Chinesen über 60 Jahre ist seit 2010 um 5,44 Prozent auf 264 Millionen gestiegen. Knapp jeder fünfte Chinese (18,7 Prozent) ist heute schon älter als 60 Jahre. Zugleich geht die Bevölkerungsgruppe im arbeitsfähigen Alter zwischen 15 und 59 Jahre weiter zurück.

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