21.11.2021 07:00 |

3 Jahre nach Bluttat

Eltern von Mordopfer: „Waren seelisch in Hölle“

Es sollte eine ausgelassene Geburtstagsfeier in der Bogenmeile in Innsbruck werden. Doch geendet hat 2018 alles mit dem Mord an einem 21-Jährigen. Seine Eltern im „Krone“-Gespräch.

Heute erinnern eine Skulptur und eine Gedenktafel neben der Dreiheiligenkirche an diese Tragödie, die sich in der Nacht auf den 25. November 2018 nur wenige Meter davon entfernt ereignete. Dem damals 21-jährigen Vorarlberger Michael Perauer wurde von einem 24-jährigen Afghanen, der unter Schizophrenie litt, ein Messer in den Hals gerammt. Wenig später verstarb das Opfer in der Klinik.

Bischof Benno Elbs: „Antwort auf Hass darf niemals Hass sein“
Am Samstag wurde die „Skulptur der Vergebung – Denkmal der Liebe“, die an alle Opfer von Gewaltverbrechen erinnern soll, im Zuge eines Gottesdienstes eingeweiht. Rund 60 Personen nahmen daran teil. Der Vorarlberger Bischof Benno Elbs betonte, dass „die Antwort auf Hass niemals Hass sein darf“. Offizielle Vertreter seitens der Politik waren Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi sowie die Tiroler Landesrätin Gabriele Fischer.

„War für uns Schock pur“
Wie hat die Familie von Michael von dem tragischen Ereignis erfahren und wie geht es ihr heute? Das haben die Eltern Theresia und Wolfgang Perauer der „Krone“ geschildert: „Einer seiner Freunde rief uns in der Nacht an und meinte, Michael habe einen Halsschnitt, sei aber stabil.“

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Wir ahnten aber, dass wir ihn nicht mehr lebend sehen würden.

Theresia und Wolfgang Perauer

In der Hoffnung, dass alles gut ausgehen würde, fuhr die Familie sofort los. „Wir ahnten aber, dass wir ihn nicht mehr lebend sehen würden.“ Das Ärzteteam informierte Mutter und Vater über die lebensrettenden Maßnahmen, die ergriffen worden waren. „Doch die Verletzung war zu schwer“, erzählen sie und sagen weiter, dass „der erste Moment Schock pur war“.

„Fielen in eine unendliche Leere“
Die darauffolgenden Stunden und Tage beschreiben die Eltern als eine „unendlich dunkle Leere“, in die sie fielen. „Wir funktionierten nur noch wie Marionetten in einem Puppenspiel.“ Dass sie diesen schweren Schicksalsschlag jemals realisieren werden, glauben Theresia und Wolfgang, die noch eine Tochter haben, nicht.

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Wir funktionierten nur noch wie Marionetten in einem Puppenspiel.

Theresia und Wolfgang Perauer

„Für uns ist das eine Tatsache, die wir angenommen haben.“ Ein Jahr lang nahm die Familie professionelle Hilfe an. Zu Beginn war die Trauerarbeit von „Wut, Schmerz, Hilflosigkeit und dem Gefühl, in einem Albtraum zu leben“ überschattet. „Wir befanden uns damals geistig und seelisch in der Hölle.“

„Dank Gott konnten wir wieder zu uns finden“
Trotz all dieser Verzweiflung gab es jedoch „viele Menschen, die uns ihre Zuwendung schenkten, die uns Trost spendeten und die unser Leid mit uns trugen“, erzählen Theresia und Wolfgang weiter. Darunter befanden sich neben den Freunden der Familie und jenen von Michael auch viele, die sie gar nicht kannten.

Letztlich lernten die Eltern für sich, dass es „eine Kraft gibt, die jeden Menschen aus dem größten Leid herauszieht und leben lässt. Für uns ist diese Kraft Gott, die uns gerettet hat, sodass wir wieder zu uns fanden“.

„Wir leben, aber wir leben jetzt ein neues Leben“
Nach diesen drei Jahren, die seit dem tragischen Schicksalsschlag vergangen sind, meinen Theresia und Wolfgang: „Wir leben, aber wir leben ein neues Leben. In das alte werden wir nie wieder zurückfinden, denn logischerweise fehlt da jemand.“ Nach dem Motto von Michael, der „Perry“ genannt wurde, lebt die Familie heute: „Leab jeda Tag, als wenns din letschta wär.“

Eltern lernten, dem Täter zu verzeihen
Ihren Sohn beschreiben sie rückblickend als einen Menschen, der fünfmal schneller lebte als andere. „So betrachtet wurde er hundert Jahre alt.“ Seine Mitmenschen – egal welcher Herkunft, Religionszugehörigkeit, Hautfarbe usw. – habe er so angenommen, wie sie nun einmal waren. Zudem habe er viel Spaß gehabt. „Er strahlte eine riesige Lebensfreude aus und war ein sehr offener Mensch für das Leben hier auf Erden.“ Ein Leben, das allerdings leider viel zu früh endete.

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Wir konnten dem Täter verzeihen, denn Jesus Christus verzeiht uns auch.

Theresia und Wolfgang Perauer

Abschließend sagen Theresia und Wolfgang, dass sie sogar lernen konnten, „dem Täter zu verzeihen, denn auch Jesus Christus verzeiht uns“. Auch dafür sollen die 500 Kilogramm schwere und rund zwei Meter große Skulptur sowie die Gedenktafel stehen.

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