24.10.2021 20:30 |

In Argentinien gefasst

Pfarrer mit Kärntner Wurzeln enttarnte Eichmann

Staunen in Klagenfurter Familie: Der Cousin hatte vor Jahrzehnten den Tipp zur Ergreifung Adolf Eichmanns gegeben. Erst seine Witwe erzählte am Sterbebett von dem Geheimnis.

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Da glaubt man, seine Verwandten zu kennen, und plötzlich eröffnet sich eine nie geahnte Wahrheit. So erging es Gerfried Horand Leute. „Sigrid Wobst-Pohl, die Tochter meines Cousins Giselher Pohl, hat mir die sensationelle Nachricht überbracht“, berichtet der Botaniker, Musikinstrumentensammler und Autor.

Klagenfurter Wurzeln
Der evangelische Pfarrer Giselher Pohl, der Klagenfurter Wurzeln hat, hatte eine entscheidende Rolle bei der Enttarnung Adolf Eichmanns gespielt und somit die Ergreifung des Organisators der Judenvernichtung ermöglicht. Erst an ihrem Sterbebett hatte die 92-jährige Rosemarie Pohl, die Witwe des zuletzt im deutschen Welver wirkenden Pfarrers, das Geheimnis verraten.

Autoren suchten nach Beweisen
Daraufhin durchstöberten die Autoren Bettina Stangneth und Willi Winkler vier Jahre lang Archive, Tagebücher, Briefe.

In Argentinien untergetaucht
In der Studienzeit lernten einander Giselher Pohl und Gerhard Klammer kennen. Bei seiner Arbeit in Argentinien kam der Geologe Klammer mit einem gewissen Ricardo Klement in Kontakt - so nannte sich die einstige Nazi-Größe Eichmann. Im Herbst 1959 vertraute Klammer seinem Freund Pohl „unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit“, wie Rosemarie erwähnt, an, dass er wisse, wo sich Eichmann aufhalte.

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Mein Cousin Giselher wollte Gerechtigkeit. Als Anerkennung wurde er samt Familie zum Urlaub nach Israel eingeladen.

Gerfried Horand Leute, stolzer Cousin

Große Tragweite
Klammer musste ob dieses Wissens um seine Zukunft fürchten. Also informierte Pohl Militärbischof Hermann Kunst, und der wiederum Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Im Mai 1960 brachte der israelische Geheimdienst Mossad Eichmann nach Israel, wo er zwei Jahre später hingerichtet wurde. „Über die große Tragweite waren wir uns nicht bewusst“, so Rosemarie.

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