12.10.2021 07:03 |

Seltene Thrombosen

Therapie-Erfolge nach schweren Impfkomplikationen

Im Laufe des Jahres geisterten immer wieder Schreckensmeldungen von schweren Impf-Komplikationen durch die Medien - meist war dabei von sehr selten auftretenden Hirnvenenthrombosen die Rede. Und auch ein Forschungsteam aus Deutschland und Österreich belegte einen wahrscheinlichen Zusammenhang mit den Vakzinen von AstraZeneca und Janssen (Johnson & Johnson). Mediziner dürfte dabei nun aber ein Durchbruch gelungen sein: Bei schneller Behandlung überstehen die meisten Betroffenen derartige Komplikationen ohne Spätschäden, beweist eine neue österreichische Studie.

Die Wissenschaft hat inzwischen Namen für diese Komplikation, welche typischerweise einer seit vielen Jahren möglichen Nebenwirkung im Rahmen einer Behandlung mit dem Blutgerinnungshemmer Heparin ähnelt: VIPIT (Vakzin-induzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie) oder VITT (Vakzin-induzierte thrombotische Thrombozytopenie).

Sie umfasst einen plötzlich auftretenden Mangel an Blutplättchen in Kombination mit einer massiv verstärkten Neigung zu gefährlichen Thrombosen bis hin zu Hirnvenenthrombosen (Sinusvenenthrombosen). Das trat im Fall des Falles frühestens fünf Tage bis etwa 20 Tage nach der Immunisierung auf. Die Problematik hat in vielen Ländern zur drastischen Einschränkung der Verwendung des britischen Vektor-Impfstoffs gegen Covid-19 von AstraZeneca und der Universität Oxford gesorgt.

Bislang 15 Fälle in Österreich
„Dem Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) wurden insgesamt 15 Fälle in zeitlicher Nähe zu einer Impfung mit den Covid-19-Impfstoffen von AstraZeneca und Janssen gemeldet, bei denen das Krankheitsbild einer VITT vermutet wird“, schrieb die österreichische Behörde für den Zeitraum von 27. Dezember 2020 (Beginn der Covid-19-Impfungen) bis 24. September 2021.

Die Häufigkeit von Sinusvenenthrombosen wurde nach Verwendung des AstraZeneca mit fünf Fällen pro einer Million verabreichter Impfdosen angegeben. Alle Arzneimittelbehörden sprechen weiterhin von einer „sehr seltenen“ möglichen Komplikation.

Hemmung der Blutgerinnung
Die Therapie umfasst laut den Empfehlungen hoch dosiertes Immunglobulin (IgG-Antikörper aus Spenderplasma) und vor allem eine medikamentöse Blutgerinnungshemmung ohne Verwendung des bekannten Heparins. Die Frage war aber bisher, wie lange bei solchen Patienten die Blutgerinnungstherapie aufrechterhalten werden muss.

Patienten „in guter körperlicher Verfassung“
In einer Langzeitstudie haben Forscher aus Österreich und der Slowakei nun den Gesundheitsverlauf von sechs Betroffenen verfolgt: drei mit, drei ohne Thrombosen. Dabei zeigte sich, dass die Behandlungsergebnisse ausgesprochen gut funktionieren, so die Wissenschaftler: „Die Patienten wurden in guter körperlicher Verfassung (aus dem Spital; Anm.) entlassen."

Das erfolgte im Durchschnitt nach acht Tagen Behandlung. „VIPIT trat während des Nachbeobachtungszeitraums (durchschnittlich zwölf Wochen; Anm.) nicht noch einmal auf." Bei zwei der drei Patienten mit Thrombosen hatten sich diese wieder aufgelöst, bei einem Patienten wurde weiterhin Atemnot unter Belastung registriert.

Behandlung möglichst schnell einleiten
Die Genesungsaussichten sind damit auch bei diesen sehr seltenen, aber schweren, Komplikationen gut. Jedenfalls sollte bei Verdachtsmomenten für eine solche Komplikation schnell gehandelt werden. Zu den ersten Symptomen gehören Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit/Erbrechen, Sehstörungen, Brustschmerzen, Schwellungen an Armen oder Beinen oder Atemnot.

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