18.03.2011 17:12 |

Alle sind wohlauf

Fünflinge im Wiener AKH auf die Welt gekommen

Mutter und alle fünf Kinder sind wohlauf - das ist wohl die wichtigste Nachricht rund um eine kleine medizinische Sensation am Wiener AKH. Am Freitag brachte eine 26-jährige Kinderpädagogin aus dem Bezirk Gänserndorf (Niederösterreich) dort Fünflinge zur Welt, berichtete Peter Husslein, Chef der AKH-Frauenklinik. Er sparte am Rande der Fünflings-Geburt aber auch nicht mit Kritik an "unseriösen" Praktiken: "Natürlich ist das keine 'spontan' entstandene Fünflings-Schwangerschaft. Das ist ein Versagen der Reproduktionsmedizin."

Die Kaiserschnitt-Entbindung in der 29. Schwangerschaftswoche, bei der insgesamt 40 Mediziner im Einsatz waren, begann um 12.37 Uhr. Durchgeführt von den Ärzten Martin Langer und Maria Stammler-Safar, verlief der Eingriff programmgemäß, hieß es. Den fünf frühgeborenen Mädchen mit jeweils etwa 1.000 Gramm geht es, dem Geburtsgewicht angemessen, gut.

Babys von Vater im Empfang genommen
Nach der Entbindung wurden die Kinder von der Klinischen Abteilung für Neonatologie an der Universitätskinderklinik übernommen. Jedem Baby wurde ein eigenes Team unter Leitung eines Oberarztes zugeteilt. Nach der Erstversorgung konnten die Kleinen bereits vom stolzen Vater, ihrer großen Schwester und der gerührten Großmutter in Empfang genommen werden. Insbesondere die 26-jährige Mutter ist überglücklich und schon in der Erholungsphase.

Reinhard Krepler, ärztlicher Direktor: "Ich danke dem multidisziplinären Team aus mehr als 40 Personen für ihren großen Einsatz und ihre hervorragende Leistungen vor, während und auch in der schwierigen Zeit nach der Geburt der Fünflinge."

Die Fünflingsschwangerschaft war kein Zufall. Nach der Geburt einer Tochter vor sechs Jahren war dem Ehepaar jeder weitere Kinderwunsch versagt geblieben. Die Frau erlitt mehrere Fehlgeburten. Schlussendlich entschied sich das Ehepaar zu einer Hormonstimulation.

Für den Chef der Wiener Universitäts-Kinderklinik, Arnold Pollak, und sein Team sind die Fünflinge eine bevorstehende große Aufgabe. So erklärte er: "Es kommt zunächst darauf an, ob sie maschinell beatmet werden müssen. Dann kommt es darauf an, ob die Plazenta alle fünf gleich gut ernährt hat. Die Durchblutung der Organe und des Gehirns kann ebenfalls unterschiedlich sein. Mädchen sind besser dran als Buben. Auf jeden Fall werden die Kinder bei uns wochenlang sehr intensiv betreut werden müssen." Dass es gelang, die 29. Schwangerschaftswoche bis zur Geburt abzuwarten, steigerte die Chancen der Kleinen jedenfalls.

Heftige Debatte über moderne Reproduktionsmedizin
Im Hintergrund solcher Mehrlingsschwangerschaften läuft derzeit in Österreich eine heftige Debatte über die moderne Reproduktionsmedizin ab, die offenbar immer mehr solcher Fälle "produziert". Mehrlingsschwangerschaften seien immer mit Frühgeburtlichkeit und einem vermehrten Risiko für Komplikationen verbunden, so Husslein.

Die moderne Neonatologie bietet wiederum - mit einem enormen Aufwand an Intensivmedizin inklusive Personaleinsatz - viel bessere Überlebenschancen. Das scheint mittlerweile immer mehr auch die Kapazitäten von so hoch spezialisierten Einrichtungen wie dem Perinatal-Zentrum am Wiener AKH (Universitätskliniken/MedUni Wien) zu sprengen.

"Wir können nichts dafür, dass die Eltern-Paare immer älter werden und dadurch mehr Frühgeburtlichkeit entsteht. Es gibt deshalb auch spontan (also ohne Hormontherapie oder IVF) mehr Zwillingsgeburten. Kinder mit 600 Gramm überleben - und überleben gesund. Das ist gut so, dazu sind wir da", erklärte Husslein. Aber dieser Aufwand werde vom Krankenhausfinanzierungssystem nicht "abgebildet".

"Unseriöse" Praktiken von Reproduktionsmedizinern
Bezahlt werde eben "eine" Entbindung. Auf der anderen Seite würden die Kapazitäten gesprengt. Hier kommen die Hormonbehandlungen bzw. die In-vitro-Fertilisierung in das Bild, die in Österreich praktisch automatisch Mehrlingsschwangerschaften impliziert: Entweder werden im internationalen Vergleich zu viele Embryonen eingesetzt oder eine natürliche Befruchtung bei zu vielen entstandenen Eizellen in Kauf genommen.

"Das sind vorhersehbare Probleme", ist der Gynäkologe überzeugt. Sie würden durch "unseriöse" Praktiken von Reproduktionsmedizinern verursacht. Diese gelte es zu verhindern. Experten in Österreich plädieren daher dafür, bei IVF-Behandlungen die Zahl der implantierten Embryonen zu begrenzen. Ähnlich könnte man bei Hormontherapien zur Steigerung der Fertilität der Frau verfahren.

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