In der alten Römerstadt Ovilava verlor die SPÖ das Bürgermeisteramt 2015 an die FPÖ. Andreas Rabl führte die Stadt ohne große Patzer durch die letzten sechs Jahre. Seine Wiederwahl scheint sehr wahrscheinlich.
Wels, mit rund 63.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes, ist für viele nur ein Bahnhof zwischen Linz und Salzburg. Doch die Stadt kann viel mehr. Bereits die Römer siedelten sich am Ufer der Traun an und gründete die Hauptstadt Ovilava. Teile der Stadtmauer erinnern noch an diese ruhmreiche Zeit. Viele Jahrhunderte später erlebte die SPÖ im ehemaligen Ovilava ihre Hochblüte. 2003 gaben noch 54,6% der Welser den Roten ihre Stimme. Peter Koits entschied die Bürgermeister-Wahl mit 73,7% für sich.
Ein Drittel hat Migrationshintergrund
Der erfolgreiche Wirtschaftsstandort zog besonders nach der Öffnung der Ostgrenze immer mehr Nicht-Österreicher an. Ein Drittel der Bevölkerung hat mittlerweile Migrationshintergrund.
Thema Integration links gelassen
Das Thema Integration wurde aber von der regierenden SPÖ lange links liegen gelassen. Die FPÖ zeigte die Versäumnisse immer wieder auf. Sie steigerte sich von Wahl zu Wahl. 2015 brachte Andreas Rabl die rote Hochburg endgültig zu Fall.
SPÖ war mit sich selbst beschäftigt
Während die SP zu sehr mit sich selbst beschäftigt war, gerieten ab diesem Zeitpunkt die Themen Drogen, Kriminalität, Migration und Integration in der öffentlichen Debatte zusehends in den Hintergrund. Selten erwähnt: Aktuell leben um 5130 Personen mit Migrationshintergrund mehr in Wels als 2015.
Geschickter Themensetzer
Rabl erwies sich als geschickter Themensetzer. Seine zentrale Botschaft: Es weht ein frischer Wind. In der Innenstadt wurde ein Musikfestival mit Gratiseintritt neu etabliert. Straßen, Parks, und Plätze wurden um viel Geld erneuert, das ehemalige Hotel Greif in ein Amtsgebäude umgebaut.
Großes Echo
Für großes Echo sorgten auch die Bewerbung um die Austragung des Eurovision Songcontests, das Angebot an den italienischen Rechtsaußen-Politiker Matteo Salvini für einen Urlaub in Wels oder das Tauziehen mit Linz um Ansiedelung der Technischen Universität. „Pure Marketing-Gags“, unken Kritiker.
Umfärbung wichtiger Posten im Rathaus
Ernst machten die Blauen auch bei personellen Umbesetzungen am Magistrat. Bereits im September 2016 übernahm der FP-nahe Peter Franzmayr den Direktorenposten. Rabls einstige Büroleitern Daniela Richter wechselte in den Chefsessel der Abteilung Direktion.
Wenig Gegenwind
Generell musste Rabl nicht mit viel Gegenwind rechnen. Lediglich die Antifa hat ein wachsames Auge auf den blauen Stadtchef. Nach Bekanntwerden seiner Kandidatur für das Bürgermeisteramt schoss sich Thomas Rammerstorfer von den Grünen auf ihn ein.
Kein Schmutzkübel
Andreas Weidinger tat sich mit Kritik oft schwer, da die ÖVP mit der FPÖ in einer Koalition ist. Wer im laufenden Wahlkampf einen Generalangriff der SPÖ erwartet hatte, wurde bis dato enttäuscht. „Wir wollen keine Schmutzkübelkampagne haben, das ist nicht unser Stil“, meint dazu Bürgermeisterkandidatin Petra Wimmer. Sie hält an ihrem Ziel fest: Bürgermeisterin und Gemeinderatsmehrheit für die SPÖ: „Die Stimmung ist positiv, bei den Hausbesuchen bekommen wir ein sehr gutes Feedback.“
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