Salzburg-Chefredakteur Claus Pándi in seiner Kolumne über das späte Aufwachen der Politik vor dem Corona-Herbst.
Morgen - es ist dann auch schon wieder der 8. September - sollen die Vertreter der Bundesländer einer vom Kanzleramt am Montag um 19.00 Uhr holterdipolter auf fünf Punkte eingedampfter „Strategie“ zur Eindämmung der Pandemie zustimmen.
Auf das Datum wird im ersten Satz dieser Kolumne nicht ohne Grund hingewiesen. Es liest sich wie ein Witz: Die Spitzen der Politik aus Bund und Ländern setzen sich also allen Ernstes in der zweiten Septemberwoche zusammen, um einen als Strategie beworbenen Notfallplan für den Herbst zu verkaufen. So als zöge der Herbst völlig überraschend ins Land.
Wie überrascht werden Kanzler, Ministerinnen und Minister und Länderchefs erst sein, wenn der Winter kommt?
Klingt lustig, ist es aber nicht.
Über die Gründe für die Verschleppung, Verschlampung und Verharmlosung kann jeder spekulieren, wie er mag. Es grenzt aber an Fahrlässigkeit, gegen Ende des zweiten Krisenjahres im September über den September nachzudenken.
Das wäre grad so als ob ein Wirt zu Mittag im Kühlhaus nachschaut, was er den Gästen zu Mittag servieren könnte. Oder ein Hotelier, der bei Sonnenuntergang beginnt, die Bettwäsche zu waschen.
Manchmal sind schlechte Entscheidungen besser als keine Entscheidung. Unklarheit ist Gift für Unternehmen und Wirtschaft.
Für das Virus können weder Bundes- noch die Landesregierung etwas. Für das Krisenmanagement sind sie aber weitgehend allein verantwortlich.
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