Vor einem Jahr ist der Leonhard Schneemann von der Privatwirtschaft in die Politik gewechselt, nachdem sein Vorgänger als Landesrat zurückgetreten war. Jetzt zog der gelernte Ökonom Bilanz.
„Krone“: Wie war das erste Jahr als Landesrat?
Leo Schneemann: Die Zeit ist wie im Flug vergangen, jeder Tag war spannend. Vom Arbeitsvolumen her waren die Tage genauso lang und länger als während meiner Geschäftsführertätigkeit. Aber ich bin es gewohnt, nicht auf die Uhr zu schauen und sieben Tage die Woche zu arbeiten.
Wie schnell mussten Sie sich damals entscheiden, ob Sie in die Politik wechseln?
Schnell! Es war Anfang August, als der Landeshauptmann konkret auf mich zukam und fragte, ob ich mir das vorstellen kann.
Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Privatwirtschaft und Politik?
Da wie dort muss man sich Ziele setzen und diese stringent verfolgen. Wir haben ein ambitioniertes Regierungsprogramm, von dem bereits 200 Maßnahmen umgesetzt wurden - vieles davon betrifft Wirtschaft und die Pflege.
Thema Pflege: Das Burgenland setzt bekanntlich auf die Anstellung pflegender Angehöriger. Mit Erfolg?
Mit diesem Modell nehmen wir eine Vorreiterrolle in Österreich ein, mittlerweile spricht man in jedem Bundesland darüber. Jetzt ist es auch Thema im Bund. Demnächst bin ich beim zuständigen Minister Wolfgang Mückstein, um über unsere Erfahrungen zu berichten. Wir haben in einer großen Umfrage die Rückmeldung erhalten, dass die Menschen ihren Lebensabend möglichst lange zu Hause verbringen wollen. Unser Modell trägt dem Rechnung.
Wie viele Anstellungsverhältnisse gibt es bisher?
Stand für das Halbjahr 2021 sind 202 Anstellungsverhältnisse. Insgesamt waren es seit 2019 über 250 Anstellungsverhältnisse. Es fallen auch immer wieder welche weg.
Hat das Burgenland in Zukunft genügend Pflegekräfte?
Derzeit haben wir keine Probleme, genügend Burgenländer zu finden, die in den Pflegeberuf einsteigen. Wir arbeiten daran, Pflege und Betreuung neu aufzustellen. Wir wollen in Zukunft alle Betreuungsformen so zusammenführen, dass man Synergien nutzen kann. Um hier ein sinnvolles Modell entwickeln zu können, haben wir eine Studie in Auftrag gegeben. Mit dieser wollen wir erheben, welches Betreuungsangebot mit wie vielen Stunden und wie vielen Betreuten in welchen Regionen vorliegt und von welchen Anbietern bedient wird. Ziel ist es, dass das Pflegeangebot in Zukunft leistbar bleibt - und das vor dem Hintergrund, dass die Zahl der zu Pflegenden steigen wird.
Wie ist die Wirtschaft durch die Krise gekommen?
Wir sind seitens des Landes zu jeder Zeit zu unseren Betrieben gestanden und haben mit entsprechenden Förderpaketen die Maßnahmen des Bundes ergänzt. Die Daten zeigen, dass wir die richtigen Maßnahmen gesetzt haben. Deshalb glaube ich, dass die Wirtschaft optimistisch in die Zukunft blickt.
Wie stehen Sie als Wirtschaftslandesrat zum vom Land forcierten Mindestlohn?
Wir werden es künftig nur schaffen, gut qualifizierte Arbeitskräfte in einer ausreichenden Anzahl zur Verfügung zu haben, wenn wir die entsprechenden Rahmenbedingungen - dazu gehört die Entlohnung - anbieten. In vielen Branchen ist es üblich, über den Mindestlohn entlohnt zu werden.
Was bringt das zweite Jahr im Amt mit sich?
Wir haben sehr viel vor. Im Herbst werden wir ein Chancengleichheitsgesetz einbringen, das Kinder- und Jugendhilfegesetz wird novelliert. Wir arbeiten zudem an interkommunalen Betriebsansiedelungen. Mit dem Businesspark an der S 7 haben wir bereits begonnen, auch im Mittelburgenland kommt ein Businesspark, den wir bald vorstellen. Wir werden weiterhin unsere Betriebe, wenn es gefragt wird, im Bereich der Eigenkapitalstärkung unterstützen - auch mit etwaigen Beteiligungen.
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