Blutiger Aufstand

Straßenschlachten in Tunis: Drei Tote, 200 Festnahmen

Ausland
27.02.2011 08:39
Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und überwiegend jungen Demonstranten in der tunesischen Hauptstadt Tunis sind nach Angaben von Behörden am Samstag mindestens drei Menschen getötet worden. Zwölf weitere seien verletzt worden, wie aus dem Innenministerium zu erfahren war. Zuvor war es zu Ausschreitungen gekommen, die von Anhängern des nach Saudi-Arabien geflüchteten Ex-Machthabers Zine el-Abidine Ben Ali ausgegangen sein sollen. Innerhalb von 48 Stunden wurden etwa zweihundert Personen festgenommen.

Im Zentrum der Stadt gingen die Polizisten mit Tränengas gegen die überwiegend jungen Demonstranten vor, die Steine warfen und Straßenbarrikaden errichteten. Gegen 17 Uhr Ortszeit waren eine sehr heftige Explosion sowie Gewehrfeuer zu hören. Mehrere Armeehubschrauber überflogen das Stadtviertel. Auch zahlreiche junge Frauen nahmen an den Protesten teil.

Die Polizisten, die teils in Zivil auftraten, wurden in ihrem gewaltsamen Vorgehen gegen die Demonstranten von Soldaten unterstützt. Die Avenue Bourguiba, eine der Hauptstraßen von Tunis, war bedeckt von Steinen, Absperrungen und abgerissenen Mülltonnen.

Innenministerium sperrt Allee für Bürger
Das Innenministerium verhängte am Nachmittag eine Sperre für die Allee. Von Samstag 18 Uhr bis Sonntag Mitternacht dürften keine Fußgänger oder Autos auf dem Boulevard verkehren, berichtete die tunesische Nachrichtenagentur TAP. Das Ministerium machte in seiner Erklärung "eine Gruppe von Aufrührern" für die Zusammenstöße verantwortlich. Diese hätten sich unter die friedlichen Demonstranten gemischt und die Gewalt provoziert.

Bereits am Freitag hatte es in dem Viertel heftige gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben. Sicherheitskräfte beschuldigen die Anhänger des Ex-Präsidenten, das Land destabilisieren zu wollen. Für viele Tunesier hingegen verkörpert die Polizei noch immer die Unterdrückung durch den langjährigen Machthaber Ben Ali. Dieser hatte sich am 14. Jänner nach wochenlangen Protesten ins Exil nach Saudi-Arabien abgesetzt.

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