30.07.2021 11:00 |

„Krone“-Kommentar

Eiscreme-Krieg in Israel

Es mutet lächerlich an, wie hoch in Israel die Wogen wegen eines Streites um Eiscreme gehen können - allerdings nur auf den ersten Blick. Konkret geht es um das amerikanische Unternehmen Ben & Jerry’s, das jüngst angekündigt hat, den Verkauf seines Speiseeises in den von Israel besetzten Gebieten im palästinensischen Westjordanland einzustellen. Man glaube, heißt es, dass der Verkauf in den besetzen Gebieten mit den Werten des Unternehmens nicht vereinbar sei. Kein Eis für Siedler also.

Seit dieser Verlautbarung ist ein wahrer Eiscreme-Krieg ausgebrochen, der bereits Anwaltskanzleien von Israel bis in die USA beschäftigt. Israels Premier Naftali Bennett nennt die Entscheidung von Ben & Jerry’s „moralisch falsch“. Das Unternehmen habe mit dem Boykott gegen „Israel - eine Demokratie, umgeben von Inseln des Terrorismus“, seinen Kompass verloren. Außenminister Yair Lapid sprach von einer „schändlichen Kapitulation vor dem Antisemitismus“. Ben & Jerry’s würde sich dem „wirtschaftlichen Terrorismus“ der BDS-Bewegung beugen.

Im Zuge dieser Bewegung wollen Friedensbewegte vornehmlich in Europa und den USA die besetzten Gebiete wirtschaftlich boykottieren. Sie übersehen dabei, dass BDS-Gründer Omar Barghuti es ablehnt, Israel als jüdischen Staat zu akzeptieren: Mit Israel könne es keinen Frieden geben. Und langfristig müsse es weg. Das ist Antisemitismus und erklärt die Aufregung.

Christian Hauenstein
Christian Hauenstein
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