Flüchtlingsanstrum

"Das Auffanglager in Lampedusa ist ein Pulverfass"

Ausland
21.02.2011 12:37
Die italienische Insel Lampedusa wird dem Flüchtlingsansturm nicht mehr Herr. Nachdem am Sonntag 150 Migranten auf der Felsinsel südlich von Sizilien gelandet waren, wurde am Montag bereits ein weiteres Boot mit rund einem Dutzend Insassen an Bord gesichtet. Die Insel ist zu klein für solch einen Andrang, das Auffanglager platzt aus allen Nähten. Derzeit sitzen 1.300 Flüchtlinge dort fest, Platz ist allerdings nur für 850. In dem überbevölkerten Auffanglager kam es am Montag zu Handgreiflichkeiten zwischen Gruppen tunesischer Migranten.

"Das Auffanglager in Lampedusa ist ein Pulverfass, das jeden Moment explodieren kann", warnten die Sicherheitskräfte. Die Migranten seien verärgert, weil sie schon seit mehreren Tagen auf der Insel warten müssen. Sie machen Druck, um so rasch wie möglich das italienische Festland erreichen zu können.  Die italienische Regierung will eine Luftbrücke organisieren, um die Flüchtlinge aufs Festland zu bringen. Mit vier Flügen sollen 400 tunesische Migranten nach Sizilien und in andere Regionen gebracht werden.

Die Behörden auf Lampedusa beobachten die Unruhen in Libyen mit Sorge. "Sollte die Situation in Libyen noch schlimmer werden, droht uns die Gefahr, von Tausenden Migranten überflutet zu werden", warnte Lampedusas Bürgermeister Bernardino De Rubeis. Er rief das italienische Innenministerium auf, so rasch wie möglich die Migranten von Lampedusa aufs Festland zu bringen und mehr Polizisten auf die Insel zu entsenden. "Wir haben mit größter Gastfreundlichkeit die Migranten aufgenommen, doch die Flüchtlinge sind nicht nur unsere Angelegenheit. Auch der Rest Italiens und der EU sollen mithelfen. Wir können nicht zum Lager für Migranten werden. Unsere Insel lebt vom Tourismus", kommentierte der Bürgermeister.

Politische Instabilität treibt Menschen nach Italien

Dank der Immigrationsabkommen, die Italien mit Tunesien und Libyen abgeschlossen hatte, war die Zahl der Flüchtlinge, die nach gefährlichen Seefahrten Süditalien erreichten, seit 2009 stark zurückgegangen. Daraufhin war das Auffanglager auf Lampedusa geschlossen worden. Die politische Instabilität in Tunesien und Nordafrika zwingt die kleine Insel nun, sich wieder einmal mit dem Flüchtlingsnotstand auseinanderzusetzen.

Die europäische Grenzschutzagentur Frontex hat inzwischen ihren Einsatz in Italien begonnen. Medienberichten zufolge trafen rund 50 Experten aus zehn EU-Länder ein, um die italienischen Behörden bei der Aufnahme und der Identifizierung der Migranten zu unterstützen.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele