22.07.2021 10:41 |

„Krone“-Kommentar

Bargeld: Wo der Schein trügt

In den Lockdowns wurde ausdrücklich gewünscht, dass man nicht in bar, sondern mit Karte zahlen soll. Es liegt aber nicht daran, dass der Anteil der Cash-Zahlungen überall zurückgeht. In manchen Ländern, z. B. in Schweden, werden sogar Kleinstbeträge mittlerweile digital beglichen.

In Österreich schrumpft der Anteil der Barzahlungen weniger stark als anderswo. Doch der Trend ist nicht aufzuhalten. Allerdings haben Bankomat-, Kreditkarte oder Apple-Pay eines gemeinsam: Elektronische Transaktionen sind nachvollziehbar.

Bargeld hingegen ist anonym. Daher gibt es viele, die in einer Beschränkung einen Verlust persönlicher Freiheit sehen und lautstark gegen die „Abschaffung des Bargeldes“ wettern, die im Übrigen niemand ernsthaft fordert.

Doch der Schein trügt im wahrsten Sinn des Wortes: Denn Staaten, die bisher bereits bestimmte Obergrenzen bei Barzahlungen eingeführt haben - in Griechenland sind es z. B. 500 Euro, in Frankreich 1000 Euro - verfolgten vor allem einen Zweck: Es sollte schwieriger werden, Schwarzgeld auszugeben.

Anwälte, Ärzte, Handwerker, Wirte und andere Dienstleister werden gerne von Kunden ohne Rechnung bezahlt, beide Seiten ersparen sich etwas. Die von der EU geplante Obergrenze von 10.000 Euro bei Zahlungen in Cash wird das nicht verhindern. Es wird nur ein bissel schwieriger, den neuen Mercedes aus der Schwarzgeldkasse zu finanzieren.

Für die breite Masse ist das Ganze ohnehin irrelevant: Denn im Schnitt trägt ein Österreicher lediglich 86,50 € mit sich herum.

Manfred Schumi
Manfred Schumi
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