17.07.2021 15:55 |

Regional Einkaufen

Wie regional ist ihr Einkaufswagen noch?

„Kauft regional!“, hieß es zu Beginn der Pandemie. Doch wie viele haben tatsächlich beim Händler ums Eck eingekauft? Und wie sieht es ein Jahr später mit der Regionalität aus?

Als Corona im März 2020 zum ersten Lockdown führte, gab es zahlreiche Ideen, um den regionalen Handel zu unterstützen: von Lebensmittelkisten und -automaten über click-and-collect bis hin zu Plattformen, wo man sämtliche Handelssparten durchsuchen kann. Inwiefern diese Angebote dazu beigetragen haben, dass die Vorarlberger trotz umfassender Schließungen regional eingekauft haben, werden wir nie wissen. Auch die von Wirtschaftskammer und Land Vorarlberg in Auftrag gegeben Kaufkraftanalyse für 2021, deren Ergebnisse im Frühjahr 2022 erwartet werden, wird dies wohl nicht darstellen können. Fakt ist: Der heimische Handel hat in den letzten 16 Monaten schwer gelitten, während Amazon und Co. einen Umsatzrekord nach dem anderen einfuhren. Nur langsam ist ein Aufatmen unter den Kaufleuten zu vernehmen.

Regionale Wertschöpfung
Die Regionalentwicklung Vorarlberg, kurz Regio-V, beschäftigt sich schon seit 1996 damit, den ländlichen Raum attraktiv zu halten - für die Menschen, die dort leben und arbeiten. Die Regio-V ist eine von 77 LEADER-Regionen in Österreich. Bereits 1991 hatte die EU die Gemeinschaftsinitiative LEADER auf den Weg gebracht. Mit 51 Gemeinden umfasst die Regio-V mit Ausnahme des Ballungsraums Rheintal sowie der LEADER-Region Vorderland-Walgau-Bludenz nahezu die gesamte restliche Fläche Vorarlbergs. Die Frage ist: Wie schaut es mit dem Bewusstsein der Bevölkerung bezüglich der Bedeutung der regionalen Wertschöpfung aus? Sind sich die Menschen darüber im Klaren, dass es Sinn ergibt, beim Händler ums Eck statt in Shoppingzentren oder online einzukaufen?

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Wenn die Menschen das regionale Angebot kennen und es leicht verfügbar ist – eventuell sogar außerhalb der üblichen Geschäftszeiten –, nehmen sie es auch an.

Peter Steurer

Laut Peter Steurer von der Regio-V schafft man ein solches Bewusstsein nur mit einem attraktiven Angebot, einer intelligenten Vermarktungsschiene und guten Anreizsystemen, wobei Letztere nicht unbedingt über den Preis passieren müssen: „Wir sind zu Konsumenten erzogen worden, die auf gute Angebote reagieren, die leicht zugänglich sind. So haben beispielsweise regionale Lebensmittelhändler angefangen, Convenience-Produkte aus regionalen Produkten herzustellen, und diese entsprechend vermarktet. Und aufgrund der Nachfrage werden sie das wohl weiter anbieten. Wenn die Menschen das regionale Angebot kennen und dieses leicht verfügbar ist - eventuell sogar außerhalb der üblichen Geschäftszeiten, nehmen sie es auch an.“

Vernünftige Grenzen
Im Sinne der Regionalität hat Corona insbesondere dazu geführt, dass viele, die zuvor täglich ins Rheintal gependelt sind, plötzlich zuhause auf dem Land bleiben mussten. Das wiederum ließ dort die Nachfrage steigen. Je mehr Menschen also auch untertags im ländlichen Raum sind, umso umfassender muss das Angebot sein.

Damit Regionalität aber langfristig funktioniert, brauche es mehr, so Steurer: „Neben einer guten Nahversorgung und Betrieben, müssen es ländliche Regionen schaffen, ein intaktes Mobilitätsangebot, umfassende Kinderbetreuung und eine gute Breitbandverbindung anzubieten. Nur dann wird es möglich sein, dass die Menschen auch dort arbeiten, wo sie leben. Und Corona hat den Arbeitnehmern und Arbeitgebern gezeigt, dass das funktionieren kann.“

Regionalität hat allerdings auch ihre Grenzen. Denn nicht jede Region kann und muss alles bieten - weder werden in Vorarlberg Avocados angebaut noch Parmesan oder Öl aus heimischen Oliven hergestellt. Einige Produkte müssen somit zugekauft werden. Ebensowenig können manche Branchen mit Billiglohnländern mithalten und müssen somit andernorts produzieren lassen. Forschung und Entwicklung sollten jedoch im Land bleiben. Versteht es eine Region, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und die eigenen Erzeugnisse in hoher Qualität sowie zu fairen Preisen anzubieten, werden die Menschen das Angebot dankend annehmen. Ziehen Produzenten, Händler und andere Gewerke noch dazu an einem Strang, kann die gesamte Region davon profitieren

Christiane Mähr
Christiane Mähr
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