Der stellvertretende Landeshauptmann Josef Geisler war bei der großen Bauerndemo auch anwesend. Im Land ist er unter anderem zuständig für Land- und Forstwirtschaft, aber auch Tierschutz. Die „Tiroler Krone“ hat sich auf der Demo mit ihm unterhalten. Für LA Georg Kaltschmid, Obmann-Stellvertreter der Tiroler Grünen, ist und bleibt die Wolfs-Entnahme das letzte Mittel. „Daran führt juristisch kein Weg vorbei“, betont der Grüne Landwirtschaftssprecher. Dort, wo es möglich ist, soll auf Herdenschutz gesetzt werden.
Die „Tiroler Krone“ hat mit LHStv. Josef Geisler gesprochen:
„Krone“: Es sind mehr Menschen auf die Demo nach Innsbruck gekommen, als ursprünglich angenommen?
In Wahrheit ist das ein sehr positives Zeichen, dass sich über 2000 Bauern und Bäuerinnen nach Innsbruck begeben, um wirklich auf das Problem aufmerksam zu machen. Sinn und Zweck dieser Kundgebung war ja, die städtische Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass sich hier ein großes Problem anbahnt. Wenn wir die Großraubtiere nicht reglementieren, werden wir in Zukunft das Problem haben, dass wir die Almwirtschaft aufgeben müssen.
Es wurde Kritik laut, dass der Antrag für die nächste Landtagssitzung zu sehr die Handschrift der Grünen trägt.
Ja, die Grünen sind natürlich in der Koalition. Wobei, das ist keine Handschrift der Grünen, das ist das rechtlich Machbare. Der Tiroler Landtag kann nur beschließen, was rechtlich machbar ist. Und wir haben versucht, das nach Möglichkeit soweit auszureizen, dass wir die Problemtiere dann auch entnehmen können.
Der Tiroler Landtag kann nur beschließen, was rechtlich machbar ist.
Josef Geisler
Wird man dann zukünftig mehr Tiere entnehmen?
Wir werden versuchen, Problemtiere schon im heurigen Sommer zu entnehmen. Aber da braucht es natürlich auch die Europäische Union. Und diese antiquierte Richtlinie, die ihre Gültigkeit vor 30 Jahren hatte, aber jetzt nicht mehr, weil die Wölfe schon lange nicht mehr vom Aussterben bedroht sind. Es gibt ja genug Platz für Wölfe in Europa, aber die Almen sind der falsche Platz für den Wolf und auch für den Bären.
Viele Bauern geben an, dass der Herdenschutz im Gebirge nicht funktioniert.
Deswegen haben wir ja gerade im Bezirk Landeck drei große Herdenschutzprojekte im Versuch und am Ende des Sommers werden wir die Ergebnisse haben und ich glaube schon, dass in gewissen Bereichen Herdenschutz machbar ist. Im Hochgebirge wird das aber jedenfalls nicht funktionieren.
Auch mit Grünen-LA Georg Kaltschmid hat sich die „Tiroler Krone“ unterhalten:
„Krone“: Sie waren nicht bei der Demo - warum nicht?
Bei der Kundgebung konnte ich nicht teilnehmen, da wir im Kaiserwinkl den grenzübergreifenden Klobensteiner Rundweg eröffnet haben, bei dem ich als Vorstand des Tourismusverband Kaiserwinkl natürlich involviert war.
Viele Stimmen aus der Bauernschaft pochen auf eine Wolfs-Entnahme.
Dass ein Abschuss und somit das Töten eines Wolfes rechtlich nicht einfach durchführbar ist, wissen mittlerweile auch die Vertreter des Bauernbundes. Ich habe Verständnis für die Emotionen unserer Landwirte, aber gerade in den letzten Monaten wurde diese Debatte nicht mehr sachlich geführt. Es dominierten Emotionen, einseitige Schuldzuweisungen, rechtliche Unwissenheit und daraus resultierend, rechtlich unhaltbare Forderungen. Mir ist bewusst, dass für einen Bauern, der mit einem Schafsriss konfrontiert ist, dieser Wolf ein Problem ist, aber diese Beurteilung mus nach rechtlichen Fakten und neutral durchgeführt werden. Und diese Entscheidung darf keine politische Entscheidung sein. Deshalb wird künftig die Frage, ob ein Wolf verhaltensauffällig ist, von einem Fachkuratorium beantwortet werden.
Ich habe Verständnis für die Emotionen unserer Landwirte, aber gerade in den letzten Monaten wurde diese Debatte nicht mehr sachlich geführt.
Georg Kaltschmid
Es gab Kritik am Dringlichkeitsantrag, dass die Handschrift „zu grün“ wäre.
Gemeinsam mit unserem Koalitionspartner war es uns wichtig, einen Weg zurück zur Sachlichkeit und zur Lösungsfindung zu gehen.
Der Herdenschutz scheint laut einigen Landwirten im alpinen Raum nicht wirklich gut zu funktionieren - sehen Sie hier noch Verbesserungsmöglichkeiten oder Alternativen?
In der Koalition haben wir deshalb vereinbart, dass über das Almschutzgesetz Herdenschutzzonen verordnet werden, nach drei Kategorien: Herdenschutz vollumfänglich möglich, Herdenschutz nur auf bestimmte Arten möglich, Herdenschutz nicht möglich.
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