"Krone": Das nahe Atomkraftwerk Krko macht den Kärntnern seit Jahren immer Sorge.
Andrej Stritar: Wieso eigentlich? Es ist sicher und wir produzieren weniger radioaktiven Müll als Österreich.
"Krone": Wir haben ja auch kein AKW!
Stritar: Ja, trotzdem! Das erstaunt auch meine Kollegen bei Ihnen immer, wenn wir uns treffen und ich Ihnen das vorrechne: Slowenien produziert jährlich 40 Tonnen leicht- und mittelgradig strahlenden Abfall. Österreich hat mehr, aus der Industrie, der Medizin – das liegt bei Ihnen eben in Seibersdorf herum.
"Krone": Und bei Ihnen? Es heißt, dass es in Krko kaum noch Lagermöglichkeiten gibt – das beunruhigt uns schon.
Stritar: Die Kapazitäten sind nahezu erschöpft, das ist richtig. Und wir haben keinen Platz mehr, um am Areal selbst neue Lagereinrichtungen zu schaffen. Aber daher wird nun schon seit geraumer Zeit eine neue Endlagerstätte geplant.
"Krone": Wo entsteht diese?
Stritar: Nur 500 Meter vom Meiler in der Gemeinde Krko entfernt. In spätestens fünf Jahren soll sie fertig sein – der Bau verschlingt viele Millionen Euro, das Geld ist aber über eine zweckgebundene Abgabe auf jede verbrauchte Kilowattstunde Strom in Slowenien bereits vorhanden.
"Krone": Krko gehört aber zur Hälfte auch Kroatien und liefert dorthin viel Energie.
Stritar: Aber die Kroaten kümmern sich nicht so darum. Deshalb lösen wir mit dem Hightech-Endlager auch nur unsere Hälfte des Abfallproblems; da muss noch verhandelt werden.
"Krone": Endlagerstätten gelten als besonders riskant. Wie sollen denn die gefährlichen Elemente geschützt werden?
Stritar: Wir haben uns für die Untergrundvariante entschieden. Da wird ein Silo errichtet, 15 Meter unter der Erde, der dicht ist und verhindert, dass Strahlung ins Erdreich oder in die Atmosphäre gelangt.
"Krone": Nur 15 Meter? Da reden wir aber nicht von einem Endlager für den wirklich hochradioaktiven Müll wie etwa den Brennstäben.
Stritar: Nein. Für diese gibt es noch keine Lösung – das kann sich kaum ein Land leisten, wenn es nur ein Atomkraftwerk hat. Außer Finnland warten fast alle Staaten ab, wie sich die Technik hier weiterentwickelt. Auch wir werden wohl erst in der Mitte des Jahrhunderts wissen, was wir mit dem Müll machen.
"Krone": Was passiert jetzt?
Stritar: Alle 18 Monate werden gut 50 verbrauchte Brennstäbe aus dem Reaktor geholt und am Gelände in einem speziellen Tank zwischengelagert. Das wird auch so bleiben bis zum Ende des Kernkraftwerks, zumindest also bis 2023.
von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"
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