Heimweh nach Haiti

Nach Duvalier will auch Ex-Präsident Aristide zurück

Ausland
20.01.2011 15:08
Nach der überraschenden Rückkehr des haitianischen Ex-Diktators Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier (Bild li.) möchte nun auch Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide (Bild re.) in seine Heimat zurückkehren. "Seit meiner erzwungenen Ankunft" in Afrika "hat das Volk von Haiti nicht aufgehört, meine Rückkehr zu fordern", heißt es in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme Aristides. Der ehemalige Präsident lebt seit mehr als sechs Jahren im Exil in Südafrika. Über Duvaliers weitere Pläne herrscht indes nach wie vor Unklarheit.

Bisher hat Haiti trotz mehrfacher Anläufe die Ausstellung eines Passes, den Aristide zur Einreise benötigt, verweigert. Aristide war Haitis erster demokratisch gewählter Präsident und ist insbesondere bei den ärmsten Haitianern beliebt. Die Opposition warf ihm während seiner zweiten Amtszeit "mafiöse Entgleisungen" vor. Im Februar 2004 musste er nach einem bewaffneten Aufstand und massivem internationalem Druck ins Exil gehen.

Aristide: "Was mich betrifft, ich bin bereit"
Die Menschen in Haiti sehnten sich insbesondere wegen der enormen Herausforderungen nach dem verheerenden Erdbeben vor einem Jahr nach seiner Rückkehr, schreibt Aristide. "Was mich betrifft, bin ich bereit - heute, morgen oder zu jedem Zeitpunkt." Er wolle seinen "Schwestern und Brüdern" in Haiti "als einfacher Bürger" im Bildungssektor dienen. Zudem führte er gesundheitliche Gründe für eine Rückkehr an.

Rätselraten über Ambitionen von "Baby Doc"
Unterdessen rätseln die Menschen in Haiti weiter über die politischen Absichten des am Wochenende ins Land zurückgekehrten Ex-Diktators Duvalier. Während Vertraute "Baby Docs" am Mittwoch eine mögliche Rückkehr an die Staatsspitze ins Gespräch brachten, dementierte der 59-Jährige, in das Chaos um die aktuelle Präsidentenwahl eingreifen zu wollen.

In einer Erklärung wies Duvalier "alle politischen Stellungnahmen" von Getreuen zurück, die "auf Szenarien im Zusammenhang mit dem Wahlprozess anspielen". Er schloss aber nicht aus, künftig eine politische Rolle in Haiti zu übernehmen. Zuvor hatte sein Anwalt Reynold Georges gesagt, Duvalier werde "für immer" in Haiti bleiben und sich in die Politik einbringen. Das sei "sein Recht".

Duvaliers Sprecher Henry Robert Sterlin war noch einen Schritt weitergegangen. Es müsse "alles auf den Kopf gestellt" werden, damit der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahlen von Ende November annulliert werde, forderte er. Dann müsse es Neuwahlen unter Beteiligung Duvaliers geben. Der umstrittene Ausgang des ersten Wahlgangs hatte gewalttätige Proteste ausgelöst und zu einer Verschiebung der Stichwahl auf unbestimmte Zeit geführt. Experten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) stellten massiven Wahlbetrug fest.

Widersprüchliche Aussagen gab es auch darüber, ob "Baby Doc" in Haiti bleiben will. Laut einem Sprecher des 59-Jährigen beantragte Duvalier am Mittwoch einen neuen Pass und will Haiti verlassen, sobald er den Ausweis hat. Der Sprecher betonte allerdings, dass Duvalier weder gezwungen werden könne, sein Heimatland zu verlassen, noch zu bleiben. Zuvor hatte Duvaliers Verteidiger gesagt, sein Mandant wolle trotz eines drohenden Strafverfahrens in Haiti bleiben.

Nach 25 Jahren aus dem Exil zurückgekehrt
Duvalier war am Sonntag überraschend aus dem französischen Exil zurückgekehrt. "Baby Doc" hatte 1971 im Alter von 19 Jahren die Macht in Haiti von seinem Vater Francois "Papa Doc" Duvalier geerbt. Bis zu seinem Sturz 1986 soll er mit seinen Getreuen Hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut haben. Seit Dienstag laufen in Haiti Ermittlungen wegen Korruption und Veruntreuung gegen den 59-Jährigen.

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