09.05.2021 06:01 |

Preis-Leistungs-Tipp

Redmi Note 10 Pro: Extrem viel Smartphone pro Euro

Der chinesische Elektronikkonzern Xiaomi legt mit dem Redmi Note 10 Pro in der Mittelklasse ein erstaunlich gut ausgestattetes Gerät um rund 300 Euro vor. Dafür gibt es kaum weniger als in der 1000-Euro-Klasse: eine 108-Megapixel-Kamera, ein scharfes OLED-Display mit hoher Bildrate, genug Rechenkraft und sogar erweiterbaren Speicher sowie eine gute alte Kopfhörerklinke. Wir haben uns angesehen, wo der Haken ist.

Die technischen Details lesen sich allesamt vielversprechend: 6,67 Zoll großes OLED-Display (2400 x 1080 Pixel) mit Loch für die 16-Megapixel-Frontkamera, bis zu 120 Hertz Bildrate und HDR10, eine lichtstarke (F/1.9) 108-Megapixel-Hauptkamera mit zusätzlicher Weitwinkel- (8 MP, F/2.2) und Makrolinse (2 MP, F/2.4). Die Rechenkraft liefert ein Snapdragon 732G mit acht bis zu 2,3 Gigahertz schnellen Rechenkernen, ihm stehen sechs Gigabyte RAM zur Seite. Daten speichert man auf 128 Gigabyte Flash-Speicher oder microSD-Karten mit bis zu 512 Gigabyte Kapazität.

Anschluss- und Funkausstattung passen auch - sofern man noch kein 5G nutzen will, was bei hohen Preisen und löchrigen Netzen bei vielen Nutzern noch der Fall sein wird. Geladen wird via USB-C, es gibt - bei besonders teuren Geräten heute eine Seltenheit - eine Audioklinke, dazu LTE-Mobilfunk, .ac-WLAN, Bluetooth 5.1 und NFC sowie die gängigen Navi-Dienste. Sogar einen Infrarotblaster, der das Gerät zur Universalfernbedienung macht, hat Xiaomi eingebaut. Der Akku mit 5020 mAh Kapazität ist ordentlich dimensioniert. Ein Fingerscanner im Entsperrknopf und Stereo-Speaker runden das nach IP53 spritzwasserfeste Dual-Sim-Gerät mit Android 11 ab.

In manchen Bereichen macht man Abstriche
Was will man für 300 Euro mehr? Nun, manch einer hätte den Fingerscanner vielleicht lieber im Display. Die Kamera geizt nicht mit Auflösung, könnte aber mit optischer Bildstabilisierung gerade im Videobereich eine noch bessere Figur machen. Der Spritzwasserschutz ist nett, manch anderes Handy kann man aber komplett untertauchen. Und viele andere Smartphones, auch in dieser günstigen Preisklasse, bieten heute auch schon 5G. Ob der Mobilfunk der Zukunft innerhalb der Lebensspanne dieser Geräte in attraktive Preisregionen hinab sickert, bleibt aber fraglich.

Auch bei der Verarbeitung darf man für ein Drittel des Preises keine High-End-Standards erwarten. Statt mit einem Metallrahmen ist das Gerät in Kunststoff eingefasst. Der Übergang zwischen Display und Chassis ist nicht ganz so nahtlos wie bei 1000-Euro-Geräten. Die stark spiegelnde Rückseite mit weit hervorstehendem Kameramodul wird man ohnedies mit einer Hülle schützen wollen, die Buttons an der rechten Gehäuseseite bieten einen vernünftigen Druckpunkt und wackeln nicht. Insgesamt vielleicht nicht edel wie im High-End-Segment, aber vollkommen alltagstauglich.

Tolles Gesamtpaket für die alltägliche Nutzung
Selbiges könnte man über Display, Kamera und Rechenkraft sagen. Letztere genügt mit dem Achtkern-Chip der Mittelklasse, gepaart mit genug RAM, für den Alltag des überwiegenden Großteils aller Smartphone-User. Das System ist durchaus spieletauglich - wenn auch nicht in dem Maße, dass das 120-Hertz-Display etwa bei „PUBG Mobile“ auch mit 120 fps angesteuert werden kann. Bei hohen Grafikeinstellungen werden eher 30 Bilder pro Sekunde geliefert. Betrieben wird das Display standardmäßig aber ohnedies bei 60 Hertz, um den Akku zu schonen. Der stromhungrige 120-Hertz-Modus muss aktiv aktiviert werden - das macht Samsung mit einem Automatismus besser. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das helle, scharfe OLED-Display davon abgesehen für den günstigen Preis exquisite Darstellungsqualität bietet. Es ist eines der Stärken des Redmi Note 10 Pro.

Optische Bildstabilisierung wäre noch schön
Die Kamera, die standardmäßig neun Einzelpixel am 108-Megapixel-Sensor zu einem zusammenfasst, was Speicher spart, liefert bei Tageslicht scharfe, lebensechte Bilder, hat dank ihrer hohen Lichtstärke und Auflösung Reserven fürs Zwielicht und digitalen Zoom. Beim Rauschverhalten und der Schärfe bei schlechtem Licht haben teurere Geräte aber naturgemäß die Nase vorn, außerdem wäre optische Bildstabilisierung ein sinnvolles Extra - gerade auch beim Filmen, was in 4K bei bis zu 30 fps möglich ist. Die Makrokamera ist ein Gimmick, die Weitwinkelkamera eine sinnvolle Dreingabe. Am Arbeitstempo der Kamera gibt es nichts auszusetzen, teurere Geräte sind hier aber noch vorn. Insgesamt wird die Kamera des Redmi Note 10 Pro bei vielen Nutzern problemlos die Kompaktkamera ersetzen. Anspruchsvolle werden aber optische Zoomfähigkeiten und Bildstabilisierung missen.

Beim Betriebssystem erhält man Android 11 mit vielen Xiaomi-Dreingaben, den üblichen Google-Diensten und eigenem MIUI-Benutzerinterface. Es ist Bloatware - Streaming-Dienste, Online-Shops, soziale Netze - vorinstalliert, die aber entfernt werden kann. Insgesamt wird das Interface Android-User vor keine großen Herausforderungen stellen. Die Update-Versorgung bei Xiaomi scheint in Ordnung: Auf einem zwei Jahre alten Vorfahren des Redmi Note 10 Pro haben wir kürzlich die aktuellen Android-Sicherheits-Updates von April 2021 erhalten.

Fazit: Ein in dieser Preisklasse unverschämt schönes Display, genug Rechenkraft, eine gute Kamera und ein dicker Akku, der im 60-Hertz-Modus bei moderater Nutzung zwei Tage reicht, machen das Xiaomi Redmi Note 10 Pro zu einem runden Ding, das die Smartphone-Ansprüche der allermeisten Menschen in jeder Hinsicht erfüllt. Mehr brauchen eigentlich nur Foto- und Video-Enthusiasten, Nutzer eines 5G-Tarifs oder Hardcore-Gamer, die am Handy in hohen Bildraten spielen wollen. Wer nicht zu einer dieser Gruppen gehört, wird mit diesem Preis-Leistungs-Kracher viel Freude haben.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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