30.04.2021 08:37 |

Feiertag Lag baOmer

Massenpanik: Dutzende Tote bei Fest in Israel

Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach jüngsten Medienangaben mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am frühen Freitagmorgen von einer „unfassbaren Katastrophe“. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, viele lebensgefährlich. Einige Zehntausend Gläubige - vor allem Ultraorthodoxe und viele mehr als erlaubt - hatten in Meron bei teils dichtem Gedränge den jüdischen Feiertag Lag baOmer begangen. 

In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie die Menschen dicht gedrängt und ausgelassen sangen, tanzten und hüpften. Die Zeitung „Haaretz“ berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, die Panik sei entstanden, nachdem Menschen im dichten Gedränge auf einer abschüssigen Metallrampe ausgerutscht und hingefallen waren. Hinter ihnen Laufende seien dann gestürzt. Hinzu kam, dass sich Notfalltüren offenbar nicht öffnen ließen.

Ein Verletzter im Rambam-Krankenhaus in Haifa erzählte, dass etwa 500 Menschen in einem Abschnitt mit Platz für etwa 50 eingepfercht gewesen seien. „Unten in der ersten Reihe sind Menschen gefallen, und oben haben die Menschen dies nicht gesehen und sich weiter nach vorne gedrängt. Eine Reihe fiel auf die andere.“

„So etwas habe ich noch nie gesehen“
Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sagte dem israelischen Fernsehen, vor Ort herrsche Chaos, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. „Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen“, sagte er. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber.

Einsatzkräfte äußerten sich erschüttert über das Erlebte: „Wir haben es gerade mit einem der schlimmsten Unglücke Israels zu tun gehabt“, sagte Dov Meisel von der Organisation United Hatzalah. Die Helfer seien grauenhaften Anblicken ausgesetzt gewesen, die es seit den blutigsten Tagen der Terrorwellen zu Beginn der 2000er-Jahre nicht mehr gegeben habe. Der Rettungseinsatz war so schwierig, dass auch die Eliteeinheit 669 der israelischen Armee zu Hilfe gerufen wurde.

Video: Großeinsatz nach der Massenpanik in Meron

Hunderte Strenggläubige weigerten sich, Unglücksort zu verlassen
Die Polizei versuchte, das Gelände zu räumen. Zufahrtsstraßen wurden abgesperrt. Auch Soldaten waren im Einsatz. Hunderte Strenggläubige weigerten sich aber, den Unglücksort zu verlassen. Laut der Zeitung „Times of Israel“ folgten sie den Anweisungen der Polizei nicht. Es sei auch zu Auseinandersetzungen gekommen, unweit des Ortes der Panik. „Sie blockieren uns ohne Grund“, zitierte die Zeitung einen Anwesenden. „Ich will beten.“ Auch im Fernsehen waren Bilder der Konfrontationen zu sehen.

Trotz Personenbeschränkungen waren zu viele angereist
Heuer hatten die Behörden die Teilnehmerzahl auf 10.000 Pilger beschränkt, nach Angaben der Organisatoren reisten aber mindestens 30.000 Gläubige aus ganz Israel an. In Medienberichten war sogar von 100.000 Pilgern die Rede. Rund 5000 Polizisten waren vor Ort, um das religiöse Fest abzusichern.

Israels Präsident Reuven Rivlin sagte, er verfolge die Berichte aus dem Ort Meron und bete für die Genesung der Verletzten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer „schlimmen Katastrophe“.

Fest als Erinnerung an Aufstand gegen römische Besatzer
Lag baOmer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag baOmer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
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