Erste Anhörung
Todesschütze von Tucson verhöhnt seine Opfer
Die Zeitung "Arizona Republic" druckte das Foto in ihrer Montagsausgabe ab. Aufgenommen worden war es kurz nach der Verhaftung Loughners von Polizisten des Pima County Sheriff Departements. Grinsend, fast schon triumphierend, zeigt sich der 22-jährige Attentäter nach dem Blutbad in Tucson. Nach Angaben der Ermittler ist Loughner ein psychisch labiler Einzelgänger, der die Regierung einer Verschwörung verdächtigte und sich vergeblich beim Militär bewarb.
US-Präsident Barack Obama will indes am Mittwoch nach Tucson reisen, um die Opfer des Attentats zu ehren. Es sei eine noch nicht näher bestimmte Art von Gedenkzeremonie geplant, zitiert der US-Blog "Politico" am Montagabend einen Regierungsbeamten.
Anklage in fünf Punkten
Bei seiner ersten Anhörung vor einem Bundesgericht wurde am Montag die Freilassung Loughners gegen Kaution abgelehnt. Angeklagt ist er vorerst in fünf Punkten: Er muss sich wegen Mordversuchs an der Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords verantworten, außerdem wegen Tötung und versuchter Tötung von Bundesbediensteten in jeweils zwei Fällen. Es ist noch unklar, ob die Staatsanwaltschaft die Todesstrafe fordern wird.
Vertreten wird der 22-Jährige von der Anwältin Judy Clarke, die bereits Timothy McVeigh, den Attentäter von Oklahoma City, "Unabomber" Theodore Kaczynski und Zacarias Moussaoui, einen Komplizen der Anschläge vom 11. September 2001, verteidigte.
"Er war mental voll da"
Loughner betrat das Gerichtsgebäude in Phoenix mit Handschellen, seine Anwältin sprach leise mit ihm. Der Kopf des 22-Jährigen war kahlrasiert, an der rechten Schläfe hatte er eine Wunde, berichtete CNN. Im Gerichtssaal herrschten scharfe Sicherheitsvorkehrungen, etwa ein Dutzend US-Marshalls waren im Einsatz, um Loughner zu bewachen und vor etwaigen Racheakten zu schützen. Freunde oder Familienangehörige des Attentäters seien in dem völlig von Medienleuten überfüllten Raum nicht gewesen, hieß es.
Loughner habe den Eindruck vermittelt, alles verstanden zu haben, berichteten US-Medien. "Er war mental voll da, wusste genau, was vor sich ging", hieß es etwa auf CNN. Er habe sehr selbstbewusst gewirkt. Der Todesschütze sei dem Richter gegenüber freundlich gewesen und habe sich gut ausgedrückt. Als nächster Gerichtstermin wurde für den 24. Januar eine Anhörung anberaumt.
Blutbad gezielt geplant
Nach Angaben der Ermittler ist Loughner ein psychisch labiler Einzelgänger, der die Regierung einer Verschwörung verdächtigte und sich vergeblich bei dem Militär beworben hatte. Der 22-Jährige hatte den Anschlag auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, der am Samstag in ein Blutbad mit sechs Toten und 14 Verletzten mündete, anscheinend gezielt geplant. Bei einer Durchsuchung im Haus Loughners fanden die Beamten in einem Safe entsprechende Hinweise. Unter den Funden war ein Briefumschlag mit verschiedenen "Botschaften" Loughners. Sie enthielten Formulierungen wie "Mein Attentat", "Ich habe voraus geplant" und auch den Namen der demokratischen Kongressabgeordneten.
Giffords Zustand stabil
Unterdessen kann Giffords wieder selbstständig atmen. Sie sei wach und reagiere auf die Ärzte, teilte der Neurochirurg Michael Lemole am Dienstagabend mit. Giffords habe aber weiter einen Beatmungsschlauch, um ihre Atmung zu unterstützen. Ein Geschoss aus der halbautomatischen Waffe des Attentäters hatte das Gehirn der 40-Jährigen durchquert und dabei auch das Sprachzentrum getroffen. Zwischenzeitlich war Giffords in ein künstliches Koma versetzt worden. Ärzte nannten es "ein Wunder", dass die Demokratin den glatten Kopfdurchschuss überhaupt überlebt habe. Sie könne hören, verstehen und befolge Anweisungen. Das zeige, dass Denkprozesse "auf einem ziemlich hohen Niveau" funktionierten.







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