Weit über eine Million Fans in Österreich vor dem TV, über 30.000 "Skisprung-Verrückte" an der Paul-Außerleitner-Schanze: Sie alle wollten ihn siegen sehen, sie alle wollten den dritten Österreicher in Serie die Vierschanzentournee holen sehen.
Der Druck war riesig. Noch dazu musste Thomas Morgenstern vor seinem ersten Sprung am Donnerstag noch einmal zurück vom Zitterbalken – zu viel Wind. Sekunden schienen zur Ewigkeit zu werden. "Da war der Puls schon richtig hoch, aber ich hatte das Gefühl, die ganze Nation will mich zum Sieg tragen", sagte Thomas danach gerührt im Interview. Aber all das machte ihn scheinbar nur noch stärker.
136 Meter knallte er in den Auslauf, hielt damit seinen größten Verfolger Simon Ammann klar auf Distanz. Der Schweizer lag vor dem allerletzten Sprung erstmals über 30 Punkte zurück, stolze 18,5 Weitenmeter! Nur der Norweger Tom Hilde, der am Ende seinen dritten Weltcupsieg feierte, lag da wie am Ende hauchdünn vor dem Österreicher.
Der "Tournee-Hattrick"
Auch der zweite Sprung des 24-jährigen Kärntners gelang mustergültig auf 135 Meter - damit wurde sein Bubentraum wahr. Nach Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler machte Morgenstern den rot-weiß-roten "Tournee-Hattrick" perfekt, kürte sich zu Österreichs neuntem Tourneesieger der Geschichte.
Da kannten die Emotionen natürlich keine Grenzen mehr. Die österreichische Bundeshymne wurde abgespielt, "Morgi" sang stolz mit und hatte dabei feuchte Augen, die begeisterten Fans schwenkten ihre Fahnen. Seine Teamkollegen trugen ihn auf den Schultern und freuten sich neidlos mit dem derzeit sicherlich besten Skispringer der Welt.
Olympiasieg, Gesamtweltcupsieg, stolze 20 Weltcuperfolge und nun auch noch großer Gewinner der Vierschanzentournee – unfassbar! Da kann man kaum glauben, dass Thomas erst 24 Jahre jung ist.
Jubel im Morgenstern-Clan
Vater Franz hatte Tränen in den Augen, Mutter Gudrun ebenfalls – Freundin Kristina fiel ihm in die Arme – der Jubel des Morgenstern-Clans nach dem Tourneesieg war ein Fest für sich! Und ihr erfolgreicher Held, Thomas, strahlte danach bei der Pressekonferenz: "Aus tiefstem Herzen bedanke ich mich bei Mama und Papa, die das alles möglich gemacht haben."
Es war sein Tag, es war seine Tournee: "Ich hatte so viele Hürden zu nehmen. Aber mit jeder bin ich stärker geworden", ließ der Spittaler die vier Springen noch einmal im Kopf ablaufen. "Die Tournee ist immer ein Angstkapitel für mich gewesen, weil ich sie 2007 als großer Favorit nicht gewonnen hab. Deswegen bin ich umso mehr erleichtert." Und seine Mutter wird's auch sein: "Ich habe schon zwei Nächte nicht schlafen können, weil ich so aufgeregt war", gestand sie.
Für den Sieg im Gesamtweltcup hatte Thomas seiner Mutter vor einigen Jahren ein Auto geschenkt. Diesmal wollte er nicht verraten, ob's wieder ein Geschenk gibt!
Geländewagen als Preis
Apropos Auto: Als Tourneesieger bekam er einen Geländewagen im Wert von 28.000 Euro. "Den werd ich behalten, vielleicht kriegt ihn eine Schwester von mir", grinste Thomas. Er selbst steht ja auf ein bisschen mehr PS, fährt einen Sportwagen und träumt davon, einmal Rennen zu fahren. Sein nächster Weg führt aber schon am Freitag zum Skifliegen nach Harrachov.
Auch Simon Ammann zog übrigens den Hut: "Ich habe versucht, viel Lärm zu machen, ihn zu reizen. Auch dafür war er zu gut!"
von Max Mahdalik, "Kärntner Krone"
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