13.000 Geschädigte

AvW-Megaprozess startet am 11. Jänner in Klagenfurt

Kärnten
05.01.2011 16:44
Das neue Jahr startet gleich mit einem der größten Prozesse der Zweiten Republik. Ab Dienstag, dem 11. Jänner, muss sich der Kärntner Finanzzampano Wolfgang Auer-Welsbach wegen seines Mega-Genussscheinkarussells vor dem Klagenfurter Landesgericht verantworten. Über 13.000 Anleger sollen geschädigt worden sein, die Staatsanwaltschaft Klagenfurt geht von einem Schaden von knapp 272 Millionen Euro aus.

Auer-Welsbach sitzt seit April in Klagenfurt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwälte Christof Pollak und Thomas Liensberger, die sich auf ein Gutachten des Sachverständigen Fritz Kleiner stützen, werfen ihm in ihrer 458 Seiten dicken Anklage schweren gewerbsmäßigen Betrug, Untreue, Bilanzfälschung und Beweismittel-Fälschung vor. Auer-Welsbach soll jahrelang Anlegervermögen verschoben und den Kurs der AvW-Invest-Aktie manipuliert haben.

Gutachter Kleiner hatte das Genussscheinsystem als "Abzocke" bezeichnet, die Gewinnerwartung der Papiere zwischen 12 und 18 Prozent war nach seiner Meinung "zu jedem Zeitpunkt unrealistisch". Vor Gericht wird Auer-Welsbach unter anderem erklären müssen, warum nur sieben Prozent seiner Genussscheine an der Börse gehandelt wurden.

Großer Andrang erwartet
Am kommenden Dienstag wird am Landesgericht Klagenfurt ein größerer Andrang erwartet, eigene Räumlichkeiten wurden aber, wie ursprünglich einmal angedacht, nicht angemietet. In den Schwurgerichtssaal passen etwa 140 Personen. Weiters wird die Verhandlung in einen zweiten Saal per Video übertragen, in dem die über 120 in der Causa aktiven Privatbeteiligtenvertreter Platz finden sollen.

Anleger und Anwälte schon früher geladen
Der Prozess startet am Dienstag um 9:30 Uhr, die beteiligten Anleger und ihre Anwälte sind aus organisatorischen Gründen jedoch schon für 8 Uhr geladen. Nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wird an den ersten beiden Verhandlungstagen der Beschuldigte Auer-Welsbach einvernommen. Am Donnerstag beginnt dann das Beweisverfahren. 

Als erster Zeuge ist der Arnulf Komposch geladen, von März 2009 bis Ende April 2010 AvW-Vorstand. Der Villacher Polizeijurist und ehemalige Leiter der Sektion Konsumentenschutz im Sozialministerium hat Auer-Welsbach ans Messer geliefert: Wenige Tage, nachdem Komposch bei der Staatsanwaltschaft plauderte, klickten für Auer-Welsbach am 23. April 2010 die Handschellen, kurz darauf mussten die AvW Gruppe und die AvW Invest Konkurs anmelden.

Auer-Welsbach "nicht schuldig"
Auer-Welsbach wird sich in allen Anklagepunkten als nicht schuldig bekennen, sagte sein Anwalt Michael Sommer. Erst am Montag habe er einen 240 Seiten schweren Schriftsatz eingebracht, in dem er auf jeden Punkt detailliert eingehe und vorbringe, warum er strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden könne. "In Summe haben wir rund 50 Zeugen drin", angefangen von Mitarbeitern der ehemaligen Bundeswertpapieraufsicht BWA, der jetzigen Finanzmarktaufsicht (FMA) und des Finanzamtes, über Wirtschaftsprüfer, Vertriebsleute, Aufsichtsräte und Rechtsberater bis hin zu Mitarbeitern der AvW-Hausbank Raiffeisen Bezirksbank (RBB) Klagenfurt, "mit der man eng vertraglich kooperiert hat". 

All jene hätten die AvW über Jahre hinweg "eingehend geprüft", und es sei "zu Recht" nichts aufgefallen - "weil eben nichts falsch gelaufen ist", meinte Sommer. Der einzige, der das anders sehe, sei Gutachter Kleiner, was aus der Sicht des AvW-Anwalts "mehr als hinterfragenswürdig" ist.

Auer-Welsbach: Prokurist Schuld an Debakel
Auer-Welsbach gibt die Schuld an dem Debakel nach wie vor seinem ehemaligen Prokuristen, den er im Oktober 2008 angezeigt hat. Ab diesem Zeitpunkt blieben die Anleger auf ihren Papieren sitzen, da die AvW die Genussscheine nicht mehr zurücknehmen konnte. Durch die "Machenschaften" des Prokuristen, so Sommer, sei damals bekannt geworden, dass "im Ergebnis ein Fehlbetrag von 50 Mio. Euro vorhanden ist". 

Der Prokurist, der in der Vergangenheit alle Vorwürfe bestritten hatte, soll eine 22-Mio.-Verpflichtung bei Banken "verschuldet und verschwiegen" haben. Darüber hinaus sollen 1 Mio. Stück RHI-Aktien "aufgrund seiner Aktivitäten" gefehlt haben. Jenes Aktienpaket habe die AvW damals gerade verkaufen wollen, um einen Teil der Genussscheine rückkaufen zu können, so die Darstellung von Auer-Welsbachs Anwalt.

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