krone.at-Kolumne

Liebe Politiker, stoppt die falschen Erwartungen!

Politik
24.03.2021 11:55

Die Bevölkerung ist Corona-müde, die Maßnahmen werden mehr schlecht als recht umgesetzt. Auch wenn sie es wohl nicht gerne hören werden: Sebastian Kurz und Co. tragen daran eine gewisse Mitschuld. Das Problem sind nämlich die von der Regierung geschürten falschen Erwartungen.

Vielleicht war es ein Wunschgedanke, vielleicht aber auch einfach nur Misskalkulation: Dass nun die geplanten Öffnungsschritte zu Ostern abgesagt sind, ist ein herber Rückschlag für die ohnehin schon angeknackste Corona-Stimmung. Bei den eh lieben Motivationsrufe à la „Licht am Ende des Tunnels“ war nichts dahinter: Der Lockdown geht in eine Verlängerung und wird im Osten sogar noch verschärft. Das ist mehr als zach.

Es gibt kein Zuckerl fürs Zusammenreißen
Das ist auch insofern ein Problem, als damit einmal mehr unsere Hoffnungen auf ein Stück vom „Normalitätskuchen“ enttäuscht wurden. Die Vertagung der groß angekündigten und bereits sehnlichst erwarteten Schanigarten-Öffnung lässt nun jene frustriert zurück, die sich in freudiger Erwartung auf ihr Schnitzerl im Freien in den vergangenen Wochen brav zusammengerissen haben und dafür ihre letzte Corona-Motivation zusammengekratzt haben. Für sie gibt es kein Zuckerl und keine Belohnung.

Überraschung: Mit dem Impfen ist die Pandemie NICHT vorbei
Ein anderes Beispiel für falsch geschürte Erwartungen sind die Impfungen. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass das im vergangenen Jahr postulierte Pandemieende zum Zeitpunkt des Impfstarts mehr Traum als Wirklichkeit war. Das Versprechen der Politik, dass mit dem Impfstoff auch die Normalität kommt, war schlichtweg falsch. Drei Monate nach dem ersten Stich sind wir noch immer im Lockdown. Dass viele Impfprobleme auch noch hausgemacht sind, ist nur noch ein zusätzliches Schäufelchen auf der Aggressionsskala.

Das Öffnungs-Foppen nervt die Menschen
So löblich es auch ist, dass uns die Bundesregierung einen Fahrplan geben will: Wenn der sich als falsch herausstellt und die Österreicher regelmäßig enttäuscht werden (müssen), ist der Schaden größer als wenn man einfach geschwiegen hätte. Die allermeisten Österreicher sind des Öffnungs-Foppens überdrüssig. Auf lange Sicht verspielt man so das Vertrauen und damit den Selbstantrieb, die Maßnahmen auch mitzutragen - weil es ja eh schon wurscht ist.

Lieber Bundeskanzler, lieber Gesundheitsminister!
Deswegen wäre es bei aller Härte besser, wenn die Bundesregierung uns schonungslos sagt, woran wir sind. Lieber Bundeskanzler, lieber Gesundheitsminister: Stoppt die falschen Erwartungen und lasst das Hoffnungs-Geschwurbel sein! Die Österreicher vertragen Realismus und wollen Ansagen, die auch am nächsten Tag noch gelten. Sagt doch einfach klar: Das Licht am Ende des Tunnels ist noch lange nicht sichtbar. Das wäre nur fair.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Politik
24.03.2021 11:55
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung