Die Tiroler Tourismusbranche ist in Aufruhr. Wie berichtet, wird gerade an den neuen Leitlinien gefeilt. Wegweisend könnte das Südtiroler Modell mit einer Betten-Obergrenze und Neubauregulierungen sein. So etwas wäre für Tirol eine Zäsur. Doch es gibt viele Stimmen, die die Zeit für so eine Maßnahme gekommen sehen.
Die pandemiegebeutelten Hoteliers reagieren derzeit besonders allergisch auf das Wort Einschränkungen. Branchenobmann Mario Gerber hat „keine Freude damit, dass gerade jetzt ein Thema öffentlich wird, dessen Konsequenzen letztlich die 12.000 Tiroler Betriebe tragen müssen“. Zuerst gelte es, der Branche wieder auf die Beine zu helfen. Und dennoch: Gerber spricht sich für eine breite Diskussion aus: „Letztlich muss es darum gehen, die familiengeführten Beherbergungsbetriebe – für die Tirol ja steht – zu stärken.“
Das ist auch ein Ansinnen Südtirols. Dort wird künftig auf Landes- und Gemeindeebene eine Betten-Obergrenze für Vermieter gelten. Außerdem wird der Bau neuer Hotels reglementiert. So will man Massentourismus und seine negativen Begleiterscheinungen eindämmen und verhindern.
„Ende des Wettrüstens“
Tourismusreferent LH Günther Platter gibt sich wortkarg. Mehr zu sagen hat man dazu beim Koalitionspartner. „Südtirol ist uns in einigen Bereichen mittlerweile voraus“, spricht der Grüne Tourismussprecher Georg Kaltschmid von einem mutigen Weg. Dieser sei auf Tirol zwar nicht 1:1 umlegbar, aber: „Viele Regionen haben genug Betten, hier ist ein Stopp sinnvoll.“ Das würde auch der Wertschöpfung dienen. Das Wettrüsten müsse ein Ende haben, meint Kaltschmid.
„Obergrenzen stärken Preis“
Ähnlich sieht es Neos-Klubobmann Dominik Oberhofer. Wie Kaltschmid ist auch er Hotelier. Er sieht mit einem „befristeten“ Betten-Stopp gleich mehrere Probleme gelöst: „Betten-Obergrenzen stärken Preis und Wertschöpfung, dämmen Flächenfraß ein und stärken bestehende Familienbetriebe auch für die nächste Generation“. Oberhofer rät der Landesregierung „zu einer mutigen Herangehensweise“.
„Debatte längst fällig“
Eine „offene Debatte“ und regionale Differenzierung fordert Liste-Fritz-Abgeordneter Markus Sint: „Die Situation am Arlberg muss anders bewertet werden als in Osttirol.“ Die Diskussion um Obergrenzen sei längst überfällig. Ein Betten-Stopp stärke jene, die da sind.
Gerald Hauser, freiheitlicher Tourismussprecher im Nationalrat, sieht das Modell Südtirol als gangbaren Weg, „wie man kleinere Betriebe schützen kann, indem man den Wildwuchs an Hotelburgen einbremst“.
„Qualität vor Quantität, um Auswüchse im Tourismus zu stoppen. Das muss der Weg Tirols sein“, sieht auch SPÖ-Klubobmann Georg Dornauer die Zeit für eine Neuorientierung gekommen.
Bis Sommer soll der „Tiroler Weg“ ausformuliert sein. Die Diskussion ist eröffnet.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.