Einem Bericht der EU zufolge hat die Coronakrise „verheerende Auswirkungen auf die Gleichberechtigung von Frauen“. Ungleichheiten würden durch die Krise verschärft und hart erkämpfte Fortschritte zunichte gemacht. Gerade für Vorarlberg ist das keine gute Erkenntnis.
„Immer die gleiche Leier", tönt es aus dunklen Ecken, wenn es um Frauenrechte geht. Der 110. Weltfrauentag sollte aber auch den letzten Kritikern zu denken geben. Denn beim Weltfrauentag geht es nicht darum, dass Hardcore-Feministinnen den Sturz männerdominierter Machtzentren fordern, sondern es geht einzig um den traurigen Fakt, dass es immer noch keine Gleichheit zwischen Frauen und Männern gibt.
Klassische Rollenverteilung
Die Coronakrise hat die Voraussetzungen für Frauen noch einmal verschärft: Viele Frauen sind im Dienstleistungssektor tätig. Vor allem Gastronomie, Tourismus und körpernahe Dienstleister - also Branchen mit einem hohen Frauenanteil - waren von den Lockdowns und Schließungen betroffen. Dazu kommt, dass sehr viele Frauen in Teilzeit arbeiten oder geringfügig beschäftigt sind - sie gehören also zu jenen, die in Krisen als erstes gekündigt werden. „Die Pandemie drängt die Frauen zusätzlich in die Teilzeit. Viele hatten Betreuungspflichten und mussten deshalb ihre Arbeitszeit reduzieren, um im Lockdown bei den Kindern zu sein und diese beim Homeschooling zu unterstützen“, berichtet die ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Iris Seewald. Die Kinderbetreuung blieb also vor allem an den Frauen hängen - wieder einmal. „Viele Beispiele zeigen uns, dass sich die klassische Rollenverteilung durch die Coronakrise wieder fest in den Familien einzementiert hat. Auch bei Partnerschaften, die bisher als gleichberechtigt galten, hat es oft einen Backlash gegeben.“
Viele Beispiele zeigen uns, dass sich die klassische Rollenverteilung durch die Coronakrise wieder fest in den Familien einzementiert hat.
Iris Seewald
Alleinerzieherinnen trafen die Auswirkungen der Krise besonders hart. „Viele dieser Frauen sind in systemrelevanten Berufen tätig und mussten nach ihrem Arbeitstag noch mit den Kinder Schulaufgaben machen. Das hat viele ans Limit gebracht.“ Aufgrund der Mehrfachbelastung reduzierten Frauen laut einer SORA-Studie ihre Arbeitszeit im Schnitt um zehn Stunden. Gerade für Vorarlberg, wo die Teilzeitquote bei Frauen mit 51 Prozent österreichweit bereits jetzt am höchsten ist, hat diese Entwicklung besondere Brisanz. Die Folgen sind zum Teil massive Einkommensverluste, die sich auch auf die Rente und die soziale Absicherung im Alter auswirken. Dabei ist das Ländle in Sachen Frauen-Pensionen ohnehin schon seit vielen Jahren negativer Spitzenreiter: Vorarlberger Frauen bekommen im Schnitt um 42 Prozent weniger Pension als Männer. Jede zweite alleinerziehende Vorarlbergerin ist armutsgefährdet. Durch die Coronakrise kommt erschwerend hinzu, dass womöglich auch noch Unterhaltszahlungen ausbleiben, weil der Vater arbeitslos geworden ist oder sich in Kurzarbeit befindet.
Kinderbetreuung ist der Schlüssel
Vieles steht und fällt mit der Kinderbetreuung. Dabei gilt es auch gegen Vorurteile anzukämpfen. Soll meinen: Frauen, die ihre Kinder in Betreuung geben und arbeiten gehen, sind keine schlechten Mütter! „Das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat in Vorarlberg sicherlich eine besondere Bedeutung. Das Stadt-Land-Gefälle bei der Kinderbetreuung und die traditionellen Rollenbilder spielen hier eine große Rolle“, so Seewald. Im Bereich der Kinder- und Schülerbetreuung habe sich zwar in den vergangenen Jahren viel getan, „aber wir brauchen noch wesentlich mehr“. Konkret fordert Seewald einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr. Hilfreich wäre für die ÖGB-Frauenvorsitzende auch eine bessere Verteilung der unbezahlten Arbeit zu Hause - in diesem Zusammenhang bringt die Gewerkschaft immer wieder eine Verkürzung der Arbeitszeiten ins Spiel, wodurch Eltern sich die Betreuung besser aufteilen könnten.
Frauenberufe sind schlechter bezahlt
Die Einkommensunterschiede lassen sich aber nicht nur auf Teilzeitarbeit zurückführen, wesentlich ist auch die Berufswahl von Frauen - denn frauendominierte Berufe sind nach wie vor schlechter bezahlt. „Deshalb fordern wir einen Mindestlohn von 1700 Euro in allen Kollektivverträgen.“ Zudem brauche es mehr Einkommenstransparenz in den Betrieben. „Es geht hier um Einstufungen, Prämien, Zulagen etc. - wir brauchen flächendeckende Einkommensberichte, damit es mehr Fairness gibt.“ Seewald plädiert auch für die Frauenquote. „Vielleicht ist sie irgendwann nicht mehr nötig - aber solange Frauen im Beruf eben nicht die gleichen Chancen haben wie Männer, ist die Quote sehr wichtig.“ Vorsichtig optimistisch ist Seewald, was die Maßnahmen der Regierung angeht: „Corona hat vor allem Unterstützung für Unternehmen gebracht. Die Bundesregierung setzt jetzt endlich erste Schritte für Arbeitnehmer. Für viele arbeitslos gewordene Frauen wäre es schon hilfreich, wenn zumindest das Arbeitslosengeld erhöht würde."
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