04.03.2021 06:00 |

Impf-Zwist

Nach Haslauer nun Stöckl im Visier des Kanzlers

Bei den Corona-Impfungen werden Salzburg und die Bundesregierung keine Freunde mehr. Nach dem sofortigen Nein aus dem Kanzleramt zum Anstoß von Landeshauptmann Wilfried Haslauer zu einer Änderung der Strategie holte Kanzler Kurz zum Gegenschlag aus und kritisiert Gesundheitsreferent Christian Stöckl.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat, wie berichtet, angestoßen, sich über die Impfreihenfolge Gedanken zu machen und vielleicht die Jüngeren vorzuziehen. Dafür bekam er umgehend eine Absage aus dem Bundeskanzleramt. Dem nicht genug, hat Kanzler Sebastian Kurz den Spieß gleich umgedreht und die Länder aufgefordert – dabei insbesondere Salzburg – alle verfügbaren Dosen auch zu verimpfen. Laut dem Kanzler hat Salzburg 24 Prozent davon im Kühlschrank liegen. Ein Vorwurf, den Gesundheitsreferent Christian Stöckl nicht auf sich sitzen lässt. „Die Kritik vom Bundeskanzler ist unangebracht, denn wir verimpfen alles, was wir haben“, so Stöckl – und fügt hinzu: „Am Anfang hat überhaupt nichts funktioniert und dann haben wir in kürzester Zeit eine eigene Logistik und IT im Bundesland schaffen müssen. Wir leiden noch immer darunter, dass wir immer weniger Impfstoffe als zugesagt bekommen haben.“

Nach einer Entspannung sieht das nicht aus. Salzburgs Gesundheitsreferent erklärt sich die Zahlen des Kanzlers mit dem Datum, an dem sie abgerufen wurden. „Wir bestellen immer am Donnerstag, nach den Dosen, die für uns auch verfügbar sind. Dann werden die Stoffe in der kommenden Woche geliefert und geimpft. Die können am Wochenanfang nicht in der Statistik sein.“ Bisher haben in Salzburg 32.561 Bürger die erste, 13.556 die zweite Teilimpfung erhalten.

Die zweite Teil-Impfung wird zur Haftungsfrage
Generell legt es Stöckl bei den Impfungen vorsichtig an. Wegen der schlechten Erfahrungen mit den Zusagen des Bundes wird nur noch abgerufen, was schon in Österreich ist. Die nötige Anzahl für die zweite Teilimpfung wird sicherheitshalber zurückgehalten. „Das ist auch eine rechtliche Frage, wenn wir die zweite Impfung nicht nach drei Wochen machen können. Diese Haftung übernimmt der Bund nicht“, erklärt Stöckl.

Unterstützung bekommt er von den Salzburger Neos. „Es ist die Aufgabe von Bundeskanzler Kurz, ausreichend Impfstoff zu beschaffen. Hier haben Kurz und sein Gesundheitsminister leider komplett ausgelassen“, sagt Gesundheitssprecher Sebastian Huber, der bestätigt, dass die Impfungen auch in den Praxen sehr gut funktionieren. Marlene Svazek (FPÖ) sieht hingegen ein klassisch inszeniertes ÖVP-Geplänkel und kritisiert Haslauer dafür.

Übermengen aus der EU nach Österreich holen
Stöckl wagt indes einen weiteren Vorstoß: Der Kanzler solle eruieren, ob Deutschland oder Frankreich ihre Übermengen an AstraZeneca – viele wollen diesen nicht haben – nicht nach Österreich abgeben will.

Felix Roittner
Felix Roittner
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