'Symbolisches Urteil'

Iranisches TV: Keine Steinigung von Ashtiani geplant

Ausland
11.12.2010 08:38
Die wegen Ehebruchs zum Tode verurteilte Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani soll nach Darstellung des staatlichen iranischen Fernsehens nicht gesteinigt werden. Eine solche Strafe sei nicht vorgesehen, berichtete am Freitagabend der Nachrichtensender Press TV. "Das war 2006 ein symbolisches Urteil, das im Gericht auch nicht von allen Richtern bestätigt wurde", hieß es in einer Sondersendung zu dem Fall.

Mohammadi-Ashtiani (im Bild mit ihrem Sohn) räumte in der Sendung erneut eine außereheliche Beziehung zu einem Verwandten ein, dem sie auch geholfen habe, ihren Ehemann zu töten. Inwieweit das Geständnis erzwungen wurde, ist unklar. Die zweifache Mutter war 2006 verhaftet und zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Das Urteil löste weltweit heftige Proteste aus, Teheran hatte die Steinigung aber im Juli vorläufig ausgesetzt.

Der englischsprachige Sender wies darauf hin, dass die iranische Justiz 2005 befohlen habe, keine Steinigungen mehr vorzunehmen. Diese Anweisung sei aber bis zum Prozess gegen Mohammadi-Ashtiani nicht richtig in den Gesetzesrahmen integriert worden.

Ashtiani gesteht im TV Mord an Ehemann
Mohammadi-Ashtiani gestand erneut, dass sie ihrem Liebhaber vor fast fünf Jahren geholfen habe, ihren Mann zu ermorden. Sie habe sich aber kurz nach dem Mord "wegen Gewissensbissen" der Polizei gestellt und ein Geständnis abgelegt. Danach sei der Liebhaber verhaftet worden, und auch er habe ein Geständnis abgelegt.

Von den beiden im Iran inhaftierten deutschen Journalisten gab es keine neuen Bilder. Man habe mit den beiden Männern eine halbe Stunde lang im Gefängnis reden können, sie hätten aber nicht vor der Kamera sprechen wollen, berichtete der staatliche Sender. Sie hätten bestritten, ein Interview mit dem Sohn und dem Anwalt von Mohammadi-Ashtiani geführt zu haben. Ein Foto zeige aber, dass dies nicht stimme. Das Bild zeigte den deutschen Reporter angeblich im Büro des Anwalts mit einem eingeschalteten Rekorder.

Reporter angeblich Opfer von Menschenrechtler-Kampagne 
Die Deutschen wurden in der Sendung als Opfer einer Kampagne der in Köln lebenden Menschenrechtlerin Mina Ahadi dargestellt. Ahadi habe auch das Interview mit dem Sohn von Mohammadi-Ashtiani arrangiert, hieß es. Ihm habe sie über den Anwalt ausrichten lassen, dass das Interview eine positive Auswirkung auf den Fall seiner Mutter haben würde. Deshalb habe er dem Interview trotz Bedenken zugestimmt.

Die beiden Journalisten, ein Reporter und ein Fotograf der "Bild am Sonntag", waren am 10. Oktober bei dem Versuch verhaftet worden, in der nordwestiranischen Provinz Aserbaidschan den Sohn und den Anwalt von Mohammadi-Ashtiani zu interviewen. Seitdem sitzen sie im Gefängnis der Provinzhauptstadt Täbris. Vor drei Wochen waren sie noch gemeinsam mit Mohammadi-Ashtiani im iranischen Staatsfernsehen vorgeführt worden.

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