22.02.2021 06:49 |

Lockerungen in Sicht

Briten wollen „vorsichtigen“ Lockdown-Ausstieg

Der britische Premierminister Boris Johnson will am Montag einen Plan für das Ende des wochenlangen Corona-Lockdowns in England vorstellen. Er kündigte einen „vorsichtigen, aber unwiderrufbaren“ Ausstieg an. Bereits bekannt ist, dass Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen vom 8. März an wieder Besuche eines ausgewählten Verwandten oder Freundes empfangen dürfen. Die Öffnung der Schulen wird ebenfalls für den 8. März erwartet. Für Einzelhandel und Gastronomie dürfte es in Großbritannien aber mit der Öffnung noch etwas dauern.

Zudem könnten zunächst Treffen zweier Haushalte im Freien sowie Outdoor-Sport wie Golf oder Tennis möglich sein. „Unsere Priorität ist es immer gewesen, Kinder zurück in die Schule zu bringen, da dies entscheidend für ihre Bildung und ihre mentale und körperliche Gesundheit ist“, sagte Johnson laut einer Mitteilung. „Wir werden außerdem Wege schaffen, in denen Menschen sich sicher mit ihren Lieben treffen können.“

Warnung vor verfrühter Schulöffnung
Auch in Großbritannien gibt es jedoch zahlreiche Stimmen, die vor einer womöglich verfrühten Schulöffnung warnen. Der Epidemiologe Andrew Hayward Hayward hält die Öffnungspläne für den 8. März für „rücksichtslos“ und warnt davor, dass dieser Schritt geradewegs in den nächsten Lockdown führen könnte. „Es besteht die Möglichkeit, dass unser Gesundheitssystem überwältigt wird, wenn wir zu früh öffnen“, sagte er im Fernsehen.

Weitere Landesteile entscheiden selbstständig
Alle weiteren Lockerungsschritte sollen abhängig sein vom weiteren Fortschritt der erfolgreichen britischen Impfkampagne, einer überschaubaren Infektionslage sowie der Ausbreitung der besonders ansteckenden Coronavirus-Mutationen. Da Gesundheit Aufgabe der Regionalregierungen ist, kann Johnson nur für den größten Landesteil England entscheiden. Schottland, Wales und Nordirland legen ihre Corona-Maßnahmen eigenständig fest. In England gilt seit 5. Jänner der bereits dritte Lockdown.

Jeder dritte Erwachsene bereits geimpft
Großbritannien ist eines der am schwersten von der Pandemie getroffenen Länder Europas. Die Regierung setzt auf Massenimpfungen. Bisher erhielten landesweit mehr als 17 Millionen Menschen eine erste Dosis, das ist jeder dritte Erwachsene. Die Infektionslage verbesserte sich in den vergangenen Wochen deutlich, bleibt aber auf recht hohem Niveau. Am Sonntag wurden 9834 neue Fälle gemeldet. Zuletzt zählte das Land in den vergangenen sieben Tagen 124 neue Fälle pro 100.000 Einwohner.

„Die Dinge können sich sehr schnell ändern“
Der Statistiker David Spiegelhalter von der Universität Cambridge, der auch zum wissenschaftlichen Beratergremium der Regierung gehört, betonte, es sei wichtig, zwischen Lockerungsschritten ausreichend Zeit vergehen zu lassen, um die Auswirkungen auf die Infektionslage erkennen zu können. „Die Dinge können sich ändern und wir haben gesehen, dass sie sich sehr schnell ändern können, und das ist sehr beunruhigend“, sagte Spiegelhalter dem „Times Radio“.

Am Montag sollte das Kabinett die Lockerungen final beschließen, bevor Johnson dem Parlament sowie der Öffentlichkeit seinen Plan im späteren Verlauf des Tages darlegen wollte.

Quelle: APA/dpa

Martin Grob
Martin Grob
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