Folge des Brexit

Nordiren beklagen leere Regale im Supermarkt

Ausland
08.01.2021 08:14

Der Brexit sorgt für teilweise leere Regale in Supermärkten in Nordirland. Grund dafür sind Störungen der Lieferketten, die sich derzeit besonders bei frischen Produkten bemerkbar machen. Durch die Ungewissheit wenige Tage nach dem Ende der Übergangsphase würden viele Unternehmen Transporte derzeit verschieben.

„Die Menschen hier beschweren sich über leere Regale in den Supermärkten“, berichtete die nordirische Konfliktforscherin und Brexit-Expertin Katy Hayward von der Queen‘s University Belfast der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Viele Unternehmen seien unsicher, welche Formulare bei der Einfuhr notwendig sind. „Viele merken, dass sie nicht vorbereitet sind“, so Hayward. Das sei nicht überraschend - normalerweise brauche es Jahre, um solche aufwendigen Veränderungen umzusetzen. Viele Firmen verschieben daher ihre Fahrten, was sich bei frischen Produkten als Erstes bemerkbar macht.

Keine harte Grenze zwischen Nordirland und EU-Mitglied Irland
Nach dem Brexit gelten für das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland spezielle Regeln, die im sogenannten Nordirland-Protokoll festgehalten sind. Damit wird eine harte EU-Außengrenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Region Nordirland vermieden, da durch eine solche das Aufflammen alter Konflikte zwischen den Landesteilen befürchtet wird. Nordirland ist damit enger an die EU gebunden und folgt weiter den Regeln des EU-Binnenmarkts. Bei der Einfuhr von Waren aus Großbritannien nach Nordirland sind daher seit dem 1. Jänner Zoll- und Zertifikatskontrollen fällig. Die entsprechenden Vorgaben sind jedoch erst knapp vor dem Jahreswechsel veröffentlicht worden.

Ein Lastwagen im nordirischen Port of Larne - viele Firmen verschieben derzeit Transporte aufgrund von Unsicherheiten. (Bild: AFP )
Ein Lastwagen im nordirischen Port of Larne - viele Firmen verschieben derzeit Transporte aufgrund von Unsicherheiten.

Weniger Fracht auf Häfen verzeichnet
Mark Simmonds vom Hafenverband British Ports Association hat bisher kein Chaos an der irischen Seegrenze zu beklagen, rechnet aber damit, dass das nicht so bleiben wird. „Einige Häfen haben Lastwagen zurückgeschickt. Aber die meisten Fernfahrer waren bisher vorbereitet. Die Sorge ist, dass das nicht so bleiben wird, wenn die Mengen zunehmen“, sagte Simmonds der dpa. Auch er berichtet, dass in der ersten Jännerwoche vergleichsweise wenig Fracht die Häfen passiert hat. Pro Lastwagen veranschlagt der Verbandschef in diesem Fall rund fünf Minuten - wenn die Fahrer vorbereitet seien. „Aber selbst ein paar Minuten machen einen Unterschied.“

Auch der Handelsverband Northern Ireland Retail Consortium bestätigte, Unternehmen hätten Lieferungen nach Nordirland vorübergehend ausgesetzt. Von der Supermarktkette Tesco hieß es auf Anfrage, es gebe bei den Einfuhren einiger Produkte nach Nordirland Verzögerungen. „Aber wir arbeiten mit unseren Zuliefern zusammen, um diese (Produkte) so schnell wie möglich wieder in die Regale zu bekommen und Kunden, wo wir können, Alternativen anzubieten“, sagte eine Sprecherin.

Spannungen in Nordirland nehmen zu
Der britische Nordirland-Minister Brandon Lewis zeigte sich im BBC-Interview zuversichtlich, die Waren würden „bald wieder fließen wie 2020“. Katy Hayward meint hingegen: „Ich denke nicht, dass sich die Dinge schnell bessern werden.“ Die Spannungen im Land nähmen merklich zu.

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