29 Kumpel vermisst

Neuseeland: Rettung startet nicht vor Sonntag

Ausland
20.11.2010 12:19
Seit Freitagabend werden 29 Kumpel in einem neuseeländischen Kohlebergwerk vermisst. Doch auch einen Tag nach der Explosion in der Mine gibt es noch kein Lebenszeichen von den Verschütteten. Für einige Verwirrung sorgt indes die nur schleppend anlaufende Suche nach ihnen. Am Samstag (Ortszeit) hatte es zunächst grünes Licht für die Rettungskräfte gegeben. Mittlerweile hieß es von Seiten der Polizei, dass die Rettungsaktion nicht vor Sonntag starten könne, da sich noch immer Gas in der Mine befindet.

Frühstens am Sonntag werden Einsatzkräfte möglicherweise einen Versuch starten, die 29 verschütteten Kumpel zu retten. Luftproben zeigten, dass es nach der Explosion weiter nicht sicher sei, die Mine zu betreten, sagte Polizei-Superintendent Gary Knowles am Samstag im neuseeländischen Fernsehen. Die Rettungskräfte befürchten gefährliche Gaskonzentrationen in der Grube. Er könne nicht konkret sagen, wann die Helfer in den Schacht gehen könnten, ergänzte Knowles.

Zuvor hatte Bezirksbürgermeister Tony Kokshoorn gegenüber Journalisten erklärt, zwanzig Retter könnten "unverzüglich" in die Mine einfahren und äußerte die Hoffnung auf ein "fantastisches Ergebnis". Die Suche nach den in der Mine Pike River Coal Eingeschlossenen verzögert sich aber weiter, da sich immer noch giftiges Gas in der Mine befindet. Bei der Methangas-Explosion in der Pike-River-Mine nördlich von Greymouth auf der neuseeländischen Südinsel waren am Freitag auch der Strom und die Belüftung ausgefallen. Nur zwei Bergleute hatten es geschafft, mit leichten Verletzungen aus dem Stollen zu kommen.

Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unklar. Ein Sprecher des Unternehmens sprach von einer Gasexplosion. Bergbau-Experten mutmaßen, es könne sich um eine Explosion von Methangas oder Kohlenstaub oder einer Kombination aus beidem handeln. Die Rettungskräfte befragten die beiden geretteten Bergleute, um den Hergang des Unglücks zu erfahren. Bei ihnen soll es sich um einen 50- und einen 24-Jährigen handeln.

Unklar, ob Kumpel noch am Leben sind
Die Rettungskräfte gehen davon aus, dass die vermissten 29 Bergleute im Alter zwischen 17 und 62 Jahren in rund 120 Meter Tiefe in dem horizontal in den Berg getriebenen Unglücksstollen festsitzen. Ob sie noch leben, ist unklar. Bisher konnte jedenfalls kein Kontakt zu ihnen hergestellt werden. Man hoffe, dass sie sich in einen der Schutzräume in dem Stollen retten konnten, hieß es. 

Es würden ständig Luftmessungen vorgenommen, sagte Pike-River-Direktor Peter Whittal, diese seien jedoch noch widersprüchlich. Erst wenn vollständig klar ist, dass keine Gefahr durch ausströmendes Gas besteht, sollen die bereitstehenden Rettungskräfte in den Schacht gelassen werden.

Die Polizei "bleibe positiv", dass die Verunglückten lebend gefunden werden, hieß es in einem Bericht der britischen BBC. Der Sender zitierte Whittall, mit der Aussage, dass jeder Bergmann eine Notfallausrüstung und Sauerstoff für 30 Minuten bei sich hatte. Dies sei ausreichend, um Sauerstoffvorräte zu erreichen, die das Überleben für mehrere Tage ermöglichten. Es gebe auch Wasser in der Mine, die Temperatur liege bei etwa 25 Grad. Man habe immer wieder ein Telefon unter Tage angerufen, aber keine Antwort erhalten, so Whittall weiter.

Rettung verzögert sich weiter
"Wir werden die Jungs nach Hause bringen", sagte Knowles. "Aber bevor wir die Rettungsteams unter Tage lassen, muss ich sicher sein, dass die Lage stabil und sicher ist." 16 erfahrene Bergleute stünden bereit, in dem Unglücksstollen nach ihren verschütteten Kollegen zu suchen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei ereignete sich die Explosion im Bergwerk Pike River an der Westküste der Südinsel am Freitag gegen 16.00 Uhr (04.00 Uhr MEZ), eine Stunde nach Beginn der Spätschicht.

Das Krankenhaus von Greymouth ist bereits seit Freitag auf die Aufnahme von verletzten Bergleuten vorbereitet. Für Angehörige und Freunde der Verschütteten wurde in der Stadt an der Westküste der Südinsel ein Notfallzentrum mit Seelsorgern eingerichtet.

"Das hier ist nicht Chile"
Vertreter der Bergwerksfirma sagten Radio New Zealand, sie warteten darauf, dass sich die Konzentration an giftigem Kohlenmonoxid verringere. Weiter hieß es in der Meldung, die Polizei habe von steigenden Gaskonzentrationen erfahren, so dass auch die Tests unterbrochen worden seien. Das Unternehmen gab dem Bericht zufolge an, in das Bergwerk werde komprimierte Luft gepumpt. Allerdings sei die Leitung nach dem Unglück beschädigt, so dass unbekannt sei, wie sich die Luft in der Mine verteile.

Peter Whittall erläuterte, es handle sich um ein Tunnelbergwerk, nicht um einen Grubenschacht - die Retter müssten also nicht wie bei dem Bergbau-Drama in Chile große Tiefen überwinden. Die Kumpel in Neuseeland sollen in etwa 120 Meter Tiefe sein. Auch Knowles sagte laut dem US-Nachrichtensender CNN (online): "Das hier ist nicht Chile. Es ist eine ganz andere Art von Mine." Ein 16 Mann starkes Rettungsteam stehe bereit und warte ungeduldig auf seinen Einsatz.

Banges Warten
Die Polizei teilte mit, dass 24 der Vermissten Neuseeländer sind - außerdem gehörten zu der Gruppe zwei Australier, zwei Briten und ein Südafrikaner. Für die Angehörigen wird das Drama zu einer nervenaufreibenden Geduldsprobe. Der Bürgermeister von Greymouth, Tony Kokshoorn, sprach von einer frustrierenden Situation und herzzerreißenden Szenen. "Die ganze Stadt steht still. Wir versuchen, damit fertig zu werden. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie emotional das alles ist."

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
20.11.2010 12:19
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung