Schwarzer getötet

Todesschüsse in Kenosha: Polizist nicht angeklagt

Ausland
06.01.2021 13:59

Mehr als vier Monate nach Schüssen auf den Schwarzen Jacob Blake während eines Polizeieinsatzes in Kenosha im US-Staat Wisconsin wird gegen keinen Polizeibeamten Anklage erhoben. Der zuständige Staatsanwalt Michael Graveley erklärte dies am Dienstag mit dem Recht der Beamten auf Selbstverteidigung. Der weiße Polizist Rusten Sheskey hatte Blake bei einem Einsatz vergangenen August sieben Mal in den Rücken geschossen. Der damals 29 Jahre alte Blake überlebte schwer verletzt und ist seither an einen Rollstuhl gefesselt.

S. habe bei dem Einsatz befürchtet, dass Blake ihn mit einem Messer angreifen würde und habe daher geschossen (siehe Video unten). Die Polizisten seien wegen eines Streits an den Tatort gerufen worden und hätten auch gewusst, dass es einen bestehenden Haftbefehl gegen Blake gegeben habe. Der Angeschossene habe gestanden, dass er ein Messer bei sich geführt habe, sagte Graveley. Der Staatsanwalt schilderte zudem, dass Blake sich in den Ermittlungen nach dem Vorfall mindestens zwei Mal in Lügen verstrickt habe.

Er wäre in einem möglichen Prozess daher kein glaubwürdiger Zeuge gewesen. Während des Polizeieinsatzes hatten Polizisten zunächst einen Taser gegen Blake eingesetzt. Nach Polizeiangaben hatte Blake trotzdem versucht, in ein Auto zu steigen - auf dessen Rücksitz sich ein Kind befand - und wegzufahren. Blake habe sein Messer in Richtung des Beamten gehalten, woraufhin dieser von einer Gefahr ausgegangen sei und geschossen habe, hieß es weiter.

(Bild: AFP)

Anwalt: „Falsche Botschaft an Polizisten“
Blakes Anwalt bezeichnete die Entscheidung als „unglaublich enttäuschend“. „Wir finden, dass diese Entscheidung nicht nur Jacob und seine Familie Unrecht tut, sondern auch der Gemeinschaft, die protestiert und Gerechtigkeit verlangt hat“, erklärte Ben Crump. Die Entscheidung sei die „falsche Botschaft“ für Polizisten im ganzen Land.

Aus Sicherheitsgründen wurde die Nationalgarde bereits vor dem Spruch der Staatsanwaltschaft nach Kenosha verlegt. (Bild: AP)
Aus Sicherheitsgründen wurde die Nationalgarde bereits vor dem Spruch der Staatsanwaltschaft nach Kenosha verlegt.

In der Stadt im Bundesstaat Wisconsin waren nach dem Einsatz gegen Blake, der auch mit Videos von Passanten dokumentiert worden war, starke Proteste ausgebrochen. Es kam auch zu Ausschreitungen. Das politische Klima war zu diesem Zeitpunkt ohnehin aufgeheizt, denn nur etwa drei Monate vorher war in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden. Floyds Tod führte landesweit zu anhaltenden Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.

Der Tod Von George Floyd führte in den USA zu Protesten gegen Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner. (Bild: AFP )
Der Tod Von George Floyd führte in den USA zu Protesten gegen Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner.

Zwei Menschen erschossen: Mordanklage gegen 18-Jährigen
Bei den Ausschreitungen in Kenosha nach den Schüssen auf Blake war es zu weiterer Gewalt gekommen: Ein damals 17-jähriger Weißer erschoss laut Staatsanwaltschaft zwei Menschen mit einem Sturmgewehr und verletzte eine weitere Person. Der unter anderem wegen Mordes angeklagte Kyle R. plädierte am Dienstag in einer Online-Gerichtsanhörung auf nicht schuldig, wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichteten. Er beruft sich auf das Recht zur Selbstverteidigung. Die Anklage legt ihm unter anderem Mord in zwei Fällen zur Last.

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