Burschen verurteilt

Nach dem Kaffee bei Mama ging es zum Überfall

Kärnten
16.11.2010 17:44
"Was hätten wir tun sollen? Wir hatten halt kein Geld", rechtfertigt ein 20-Jähriger den Überfall auf ein Wolfsberger Wettlokal. Zwei Monate später sitzt er nun beim Prozess am Landesgericht Klagenfurt. "Wenn jeder, der pleite und arbeitslos ist, zum Räuber wird, dann bricht unser System zusammen!", schimpft die Staatsanwältin. Dennoch findet der Richter für das geständige Duo milde Urteile.

Es ist meistens die gleiche Geschichte, die vor Gericht erzählt wird: Kein Geld, kein Job, die Wohnung wird gekündigt, das soziale Umfeld passt nicht. Also wird das wenige Geld, das man hat, dazu verwendet, um eine Waffenattrappe zu kaufen.

Man trinkt mit der Mama noch einen Kaffee, stürmt dann maskiert ein Lokal, bedroht eine geschockte Angestellte und flüchtet mit geringer Beute. Die 1.200 Euro, die beim Raub in Wolfsberg erbeutet wurden, konnten bei den Tätern, 20 und 26 Jahre alt, sichergestellt werden – bis auf 22 Euro. Diese wurden brav für ein Busticket ausgegeben.

"Sie waren verzweifelt"
"Sie sind keine schweren Jungs", meint daher ein Verteidiger. "Sie waren verzweifelt, und dass ihnen so viel Strafe droht, ist eigentlich nicht gerecht." Raub fällt nach wie vor unter die Kapitalverbrechen: Immerhin wird gedroht, wird dem Opfer massives psychisches Leid angetan. Da sind meist mehrjährige Haftstrafen die Konsequenz.

Diesmal fällt es billiger aus: 15 Monate teilbedingt für den einen, 18 Monate für den fünffach vorbestraften Komplizen.

von Kerstin Wassermann, "Kärntner Krone"

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