Prothesen, Eheringe, ein Glasauge, ein Rollstuhl, Unterlagen zur Verwaltungsreform der bayerischen Staatsregierung und sogar fünfstellige Geldbeträge: Es gibt fast nichts, was nicht irgendwann einmal auf dem Oktoberfest vergessen wird und schließlich im dortigen Fundbüro auf seinen Besitzer wartet. In dem Raum im Keller des Service-Zentrums unter der Bavaria herrscht Hochbetrieb, pausenlos klingelt das Telefon.
Säckeweise Jacken und Pullover, hunderteHandys, Brillen und Ausweise haben sich hier seit Beginn der Wiesnbereits angesammelt. "Unsere Lager sind gut gefüllt", berichtetOskar Schafft vom Wiesn- Fundbüro, der seit 33 Jahren aufder Wiesn Dienst tut. Von 9.00 Uhr bis 23.00 Uhr ist der 63-Jährigemit insgesamt neun Kollegen im Schichtbetrieb da, katalogisiertneu eingegangene Stücke, schreibt Karteikarten und gibt jedemTeil eine Nummer.
4.000 Fundstücke jährlich Insgesamt 4.000 Fundstücke kommen alljährlichzusammen, etwa 1.000 davon können noch während der Wiesnan ihre Besitzer zurückgegeben werden. Die übrigen werdennach dem Oktoberfest in das Münchner Fundbüro gebracht."Da geht die Arbeit erst richtig los." Denn dann beginnen dieNachforschungen nach den Besitzern - dazu ist während derWiesn gar keine Zeit.
Massenhaft Handys Die Handys sind nach Marken geordnet, allein fürNokia haben die Fundbüro-Mitarbeiter vorsorglich drei Schubladenreserviert. Bisher sind zwei voll. "Da erwarten wir noch etlichemehr", sagt Schafft. In jeweils eigenen Schubladen säuberlichsortiert liegen neben Handys von Motorola, Siemens und Sony-Ericsonauch Brillen und Ausweise.
Bach-Klaviernoten und Gebisse Klaviernoten von Bach und der Arm einer Schaufensterpuppeführen in diesem Jahr die Liste der skurrilsten Fundsachenan, die im Gedränge der meist bis auf den letzten Platz gefülltenZelte verloren gingen. Gebisse gibt es jedes Jahr, erstmals fandsich jedoch auch ein Gebiss mit integrierten Goldzähnen."Das haben wir vom Augustiner", klärt Schafft auf. Eine Bedienunghabe es in einem Maßkrug gefunden. Dort habe das Gold herausgeblinkt.
Krücken und Rollstühle Traditionell werden Krücken abgegeben, vor einigenJahren landete sogar ein Rollstuhl im Fundbüro. "Es kannnatürlich schon sein, dass die Kraft des Bieres die Leutewieder zum Laufen gebracht hat", sagt Schafft. Der Rollstuhl-Falletwa ließ sich schnell aufklären. Dessen behinderterBesitzer hatte sich in einem Zelt auf eine Bierbank gesetzt, indem Gedränge wurde sein Rollstuhl von ihm unbemerkt immerweiter weggeschoben. Seine Begleiter hätten den verzweifeltenMann nach Hause tragen müssen, berichtet Schafft.
Mehr trinken statt ausziehen Vor allem werden Kleidungsstücke abgegeben."Man zieht im Bierzelt nichts aus - und wenn man noch so schwitzt.Dann trinkt man halt mehr", lautet Schaffts Bierzelt-Regel widerdas Vergessen.
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