Airbus-Notlandung

Passagier des A380: “Hörten plötzlich einen Knall”

Ausland
04.11.2010 12:11
Eine Passagiermaschine vom Typ A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas hat am Donnerstag nach einem Triebwerksausfall in Singapur notlanden müssen. Für die 433 Passagiere - darunter auch neun Österreicher - war der Vorfall wie ein "Horrorfilm", wie der Deutsche Ulf Waschbusch erzählt. "Der Start verlief ganz normal, ich saß auf der linken Seite direkt am Flügel der Maschine, auf einem Fensterplatz und sah hinaus. Nach fünf Minuten hörten wir dann plötzlich einen Knall, von links. Ich sah dort dann Teile aus dem Flügel brechen (Bild)."

Der 33-Jährige, der seit März in Singapur als Produktionsleiter für eine Computerspiele-Plattform arbeitet, freute sich eigentlich auf einen entspannten Urlaub in Australien. Was kurz nach dem Start passierte, war aber ganz und gar nicht entspannend: Es sei wie im Film gewesen, "ganz surreal, nur, dass man nicht im Kino sitzt und einen Horrorfilm anschaut", so Waschbusch.

Nur einen kurzen Moment sei der Gedanke "Nun ist alles aus" dagewesen. "Man bekommt erst mal Panik und fragt sich sofort: Was passiert als nächstes?" Die Maschine sei aber völlig ruhig weitergeflogen. "Es hat nichts geruckelt, so waren wir alle ziemlich schnell beruhigt", so der Deutsche weiter. "Niemand ist schreiend aufgesprungen oder so." Die Passagiere hätten sich unterhalten und abgewartet. "Man denkt: Es wird schon irgendwie gehen."

Die Piloten hätten die Passagiere ständig auf dem Laufenden gehalten. "Wir wussten dann, dass wir noch kreisen mussten, um Benzin abzulassen." Die Landung sei schließlich völlig unspektakulär verlaufen. Die Maschine rollte allerdings bis ans Ende der Landebahn und nicht zum Terminal. Weil aus dem Triebwerk Benzin auslief, mussten die Passagiere zunächst noch mit dem Aussteigen warten. "Da wurden viele Leute nervöser als vorher", so Waschbusch. Die Klimaanlage des Flugzeugs fiel aus, und die Temperatur an Bord stieg in dem tropischen Klima schnell.

Notlandung in Singapur ohne Probleme
Der Airbus mit 433 Passagieren und 26 Besatzungsmitgliedern war auf dem Weg von London nach Sydney, in Singapur erfolgte eine geplante Zwischenlandung. Beim Weiterflug nach Sydney ergaben sich dann die Probleme. Der Airbus kehrte um und landete erneut in Singapur. Die australische Regierung versicherte, bei der Notlandung sei niemand zu Schaden gekommen. "Das Flugzeug ist ohne Zwischenfälle am Changi-Flughafen gelandet, kein Passagier oder Besatzungsmitglied ist verletzt", erklärte das Außenministerium.

"Trümmer flogen auf mein Haus"
Augenzeugen auf der indonesische Insel Batam in der Nähe von Singapur berichteten, sie hätten eine Explosion gehört und Teile des Flugzeuges durch die Luft fliegen sehen. Ein indonesischer TV-Sender zeigte Metallteile, von denen einige die Größe einer Tür hatten und auf denen ein Teil des rot-weißen Quantas-Symbols zu sehen war. "Ich hörte eine gewaltige Explosion gegen 9.15 Uhr und sah ein niedrig fliegendes Passagierflugzeug mit Rauch an einer Tragfläche", sagte ein Augenzeuge dem Fernsehsender. "Trümmer fielen auf mein Haus." 

Triebwerkteil löste sich
Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler hatte sich am Triebwerk Nummer zwei des vierstrahligen A380 der hintere Teil aus noch unbekannter Ursache gelöst. Qantas schickte Ermittler aus Frankreich und Großbritannien nach Singapur, um die Untersuchungen zu begleiten. 

Eine Sprecherin der französischen Luftfahrtbehörde BEA sagte am Donnerstag in Paris, gemäß internationaler Standards würden aus dem Herstellerland von Flugzeug und Triebwerk Experten hinzugezogen. Alle Untersuchungen würden von der australischen Luftfahrtbehörde ATSB geleitet. Da der Zwischenfall mit einem Triebwerk über Indonesien stattgefunden habe, seien auch Ermittler dieses Landes daran beteiligt.

Qantas Airways setzt alle A380-Flüge aus
Nach dem Zwischenfall hat Qantas Airways vorerst alle Flüge mit dem Airbus A380 ausgesetzt. Das Unternehmen werde die Flugzeuge am Boden lassen, bis alle nötigen Informationen vorliegen, sagte Qantas-Chef Alan Joyce in Sydney.

Laut dem Flugfahrtexperten Tom Ballantyne sei das "wahrscheinlich der schwerwiegendste Zwischenfall mit einem A380 seit dem Beginn der Inbetriebnahme für den kommerziellen Verkehr" gewesen.

Der Airbus 380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Als erste Fluggesellschaft stellte Singapore Airlines die Maschine im Oktober 2007 in den Dienst. Der Jungfernflug ging von Singapur nach Sydney.

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