Maue Konjunktur

USA schieben Wirtschaft per Notenpresse an

Ausland
03.11.2010 21:33
Milliardenschwerer Konjunkturschub per Notenpresse: Angesichts eines blutarmen Aufschwungs läutet die US-Notenbank eine neue, massive Runde der geldpolitischen Lockerung ein - und öffnet die Geldschleuse. Die Federal Reserve kündigte am Mittwoch Zukäufe längerlaufender Staatsanleihen für insgesamt 600 Milliarden Dollar (430 Milliarden Euro) an. Ziel des Manövers ist es, die Kreditzinsen zu senken, um auf diese Weise die Nachfrage von Bürgern und Unternehmen anzukurbeln.

An den US-Aktienmärkten gab es nach der Ankündigung der Fed weder einen Aufschrei noch ein Aufatmen. Das Ausmaß der Anleihenkäufe war erwartet worden, die Indizes bewegten sich relativ wenig. Der Euro gewann bis eine Stunde nach der Entscheidung rund 0,5 Prozent gegenüber dem Dollar. Gold legte moderat zu, nachdem es in den Stunden davor massiv verloren hatte.

Ökonomen hatten Käufe für rund 500 Milliarden Dollar erwartet. Der neuerliche Einsatz der sogenannten quantitativen Lockerung, bei der sich die Zentralbank das Geld für ihre Einkäufe quasi selbst druckt, war in den vergangenen Wochen angesichts schwacher Konjunkturdaten immer wahrscheinlicher geworden. So war die größte Volkswirtschaft der Welt im dritten Quartal aufs Jahr gerechnet nur um zwei Prozent gewachsen, in den drei Monaten zuvor lediglich um 1,7 Prozent. Im September lag die Arbeitslosenquote bei 9,6 Prozent.

Die Fed will zudem durch Umschichtungen 250 bis 300 Milliarden Dollar aus auslaufenden Hypotheken- und anderen Kreditpapieren ebenfalls in den Kauf von Staatsanleihen stecken. Alles in allem werde man auf diese Weise zwischen 850 und 900 Milliarden Dollar in Anleihekäufe fließen lassen, hieß es von der New Yorker Fed.

Erholung der Konjunktur läuft laut FED nur langsam
In der Mitteilung nach ihrer zweitägigen Sitzung bezeichnete die Zentralbank das Tempo der Erholung von Konjunktur und Arbeitsmarkt als "langsam". Erneut stellte die Fed fest, dass die Konsumfreude der Haushalte weiter durch hohe Arbeitslosigkeit, nur moderaten Einkommenszuwachs, den Wertverfall am Immobilienmarkt und schwierige Kreditbedingungen gedämpft bleibe. Zwar erwarte die Notenbank Besserung auf dem Arbeitsmarkt und bei der Auslastung der Unternehmen. "Der Fortschritt in Richtung dieser Ziele ist allerdings enttäuschend gering", erklärte die Zentralbank.

Die quantitative Lockerung ist umstritten. Kritiker befürchten langfristig eine übermäßige Inflation und die Saat neuer Preisblasen. Andere bezweifeln, dass eine quantitative Lockerung die Konjunktur wirksam ankurbelt. Die Fed hatte bereits im Kampf gegen die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise für rund 1.700 Milliarden Dollar Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Papiere gekauft. Dieses Programm war erst im März dieses Jahres ausgelaufen.

"Die Verbraucherausgaben oder die Investitionen der Firmen werden dadurch nicht besonders stimuliert werden", sagte Analyst Marco Annunziata von Uni-Credit. "Die Konsumenten in den USA arbeiten noch immer ihren jahrelangen Kreditexzess ab, und zusätzliche Liquidität wird sie nicht dazu verleiten, mehr Geld auszugeben", sagte er nach Angaben des "Wall Street Journal". Auch der Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Olivier Blanchard, hatte gewarnt, man solle sich von dem Manöver nicht zu viel versprechen.

Markt giert nach positiven Zeichen
Allein die Erwartung bewegte allerdings massiv die Märkte. Seit Fed-Chef Ben Bernanke die Idee Ende August in die Debatte warf, legte der US-Leitindex Dow Jones um mehr als zehn Prozent zu, Rohstoffpreise zogen an, der Dollar verlor gegenüber dem Euro ebenfalls um zehn Prozent - gut für US-Exporte. Allerdings erheben Kritiker den Vorwurf, die USA seien "unredlich", wenn sie anderen Ländern eine künstliche Verbilligung ihrer Währung vorwerfen.

Zugleich beließ die Zentralbank ihren Leitzins auf dem historischen Tiefstand von knapp über 0,0 Prozent. Die Federal Reserve hatte damit Ende 2008 auf die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise reagiert. Experten rechnen damit, dass der Zins frühestens im Laufe des nächsten Jahres angehoben wird, womöglich auch erst 2012.

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