Rendezvous im All

NASA-Sonde macht Foto vom Kometen Hartley 2

Wissenschaft
04.11.2010 19:22
Zu einer kosmischen Begegnung der seltenen Art ist es am Donnerstag gekommen: Die NASA-Sonde "Deep Impact" flog wie geplant am Kometen Hartley 2 vorbei und schoss mit rund 44.000 Kilometern pro Stunde durch die Staub- und Gaswolke (die sogenannte Koma) des Schweifsterns. Dabei näherte sich die Sonde dem gurkenförmigen Kometenkern (Bild) bis auf 700 Kilometer.

Als sich "Deep Impact" nach dem Flug durch die Koma unbeschadet zurückmeldete, brandete im Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena Applaus auf. Von der Mission verspricht sich die NASA detaillierte Einblicke in die Natur von Kometen. Die als schmutzige Schneebälle bezeichneten Schweifsterne sind Mischungen aus Eis und Staub und enthalten oft besonders viel urtümliche Materie aus der Entstehungszeit des Sonnensystems.

Hartley 2 hatte die Astronomen kürzlich mit einem Ausbruch von giftigem Cyanid-Gas verwundert. Dabei war nicht das Cyanid selbst die Überraschung, sondern die Reinheit des Gases. Normalerweise werden bei einem Gasausbruch auch Staubteilchen vom Kometen ins All geschleudert. Bei Hartley 2 fehlte der Anstieg der Staubteilchen.

Cyanid-Gas für Erde ungefährlich
Von den Bildern der Kometensonde erhoffen sich die Forscher auch Informationen über den fehlenden Staub. Der Kometenkern selbst ist nur etwa 2,2 Kilometer lang. Für die Erde bedeutet das Cyanid keine Gefahr, denn der Komet ist rund 21 Millionen Kilometer entfernt. Und selbst wenn unsere Erde direkt die Cyanid-Wolke kreuzen würde, könnte das dünne Gas nicht in die dichte Erdatmosphäre eindringen.

Die 2005 gestartete Sonde "Deep Impact" hatte bereits den Kometen Tempel 1 besucht und mit einem mehrere hundert Kilogramm schweren Projektil beschossen. Anschließend wurde die Mission unter dem Namen "Epoxi" zum Kometen Hartley 2 verlängert. Die Kosten der Sonde gibt die NASA mit 267 Millionen Dollar (187 Millionen Euro) an, die Verlängerung der Mission kostet 42 Millionen Dollar (rund 29 Millionen Euro).

Sonde soll Kometen elf Wochen beobachten
Die Forscher hatten bereits Anfang September während des Anflugs auf den 1986 entdeckten Kometen damit begonnen, Aufnahmen von ihm zu sammeln - am Ende sollen es mehr als 64.000 Bilder werden. Insgesamt gut elf Wochen lang soll die Sonde den Schweifstern genau unter die Lupe nehmen - laut US-Weltraumbehörde die beste dauerhafte Betrachtung eines Kometen, die es je gegeben habe. Zum Einsatz kommen zwei Teleskope mit digitalen Farbkameras und ein Infrarot-Spektrometer, um den staubigen, eisigen Kometen zu beäugen.

Kometen sind für Forscher wahre Fundgrube
Weil Kometen viel Zeit abseits der Sonne verbringen, ist ihre Zusammensetzung laut NASA dank der Kälte noch recht unverändert - eine Fundgrube für Wissenschaftler. "Kometen sind Überbleibsel der Konstruktionsphase unseres Sonnensystems", erläutert Forscher Sebastien Besse. "Diese Vorbeiflüge helfen uns zu verstehen, was vor viereinhalb Milliarden Jahren geschah", sagt Lori Feaga, Wissenschaftlerin bei der Deep Impact/Epoxi-Mission.

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