Eingeläutet wurden die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag traditionell mit Gedenkveranstaltungen am Heldenplatz. Pünktlich um 9 Uhr schritt Bundespräsident Heinz Fischer die vor dem äußeren Burgtor angetretene Gardeformation ab und legte Kränze an den Mahnmalen für die Opfer des Nationalsozialismus und für die Toten der beiden Weltkriege ab. Eine halbe Stunde später wiederholte sich das Ritual - wie jedes Jahr - mit den Mitgliedern der Bundesregierung.
Weitere Bilder und Hintergründe rund um Feierlichkeiten und Leistungsschau: siehe Infobox!
Am Heldenplatz hatten sich derweil bereits einige Hundert Schaulustige versammelt, deren Zahl im Lauf des Vormittags immer weiter anschwoll. Bis zu 750.000 Besucher erwarteten die Behörden bis Dienstagabend. Sie hatten Gelegenheit, bei einer Leistungsschau des Bundesheeres Hubschrauber, Panzer und sonstiges militärisches Gerät zu besichtigen und der Angelobung von rund 1.200 Rekruten vor der Hofburg beizuwohnen.
Abschaffung der Wehrpflicht nach Häupl-Vorstoß?
Geht es nach der SPÖ, dann könnten derartige Zeremonien allerdings bald der Vergangenheit angehören, hat die Kanzlerpartei doch nach einem entsprechenden Vorstoß des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl Anfang Oktober eine Volksbefragung über die Abschaffung der Wehrpflicht zugesagt. Faymann meinte in seiner Ansprache vor den Rekruten denn auch, Aufgaben und Organisation des Bundesheeres seien in den nächsten Monaten neu festzulegen und kündigte an, dabei auch die Erfahrungen anderer Länder bei der Umstellung auf ein Berufsheer einbeziehen zu wollen.
Skepsis gegenüber der Abschaffung der Wehrpflicht ließ einmal mehr Bundespräsident Fischer durchblicken. Er verwies darauf, dass das Bundesheer auf Basis der allgemeinen Wehrpflicht errichtet worden und dies auch in der Verfassung verankert sei. Weniger eilig hat es in dieser Frage auch Vizekanzler Josef Pröll, dessen ÖVP an der Wehrpflicht festhalten möchte: Zuerst müsse man die Aufgaben des Bundesheers neu definieren und erst danach könne es eine Neuorganisation des Heeres geben, ließ er in seiner Botschaft zum Nationalfeiertag wissen. Ein klares Bekenntnis zur Wehrpflicht kam am Nationalfeiertag von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, abschaffen wollen sie Grünen-Bundessprecherin Eva Glawischnig und BZÖ-Obmann Josef Bucher.
Bussis von Margit Fischers
Am Nationalfeiertag machte auch heuer die Hofburg die Tore für das Volk auf - diesmal legten Bundespräsident Heinz Fischer und seine Frau Margit sogar persönlich Hand an. Für einen kurzen Händedruck mit dem Staatsoberhaupt hatten viele stundenlang gewartet. Eine junge Familie aus Linz hätte "mindestens noch eine Stunde" ausgeharrt. In den Prunksälen der Präsidentschaftskanzlei wurde dann die lange Wartezeit belohnt. Es wurde geblitzt, geherzt und gescherzt. Ein kleines Mädchen schafft es sogar in die Arme der "geübten Oma" Margit Fischer und ergatterte ein Bussi.
krone.tv: Tag der offenen Tür lockt zahlreiche Besucher in die Präsidentschaftskanzlei (siehe Infobox)
Die Besucher kamen aus der ganzen Welt, die Top-Entfernung war am frühen Nachmittag Sri Lanka. Für Heinz Fischer macht es scheinbar keinen Unterschied. Der Bundespräsident weiß immer etwas zu sagen, und sei es auch nur etwas über eine Halskette oder ein Kleidungsstück. "Eine Nofretete, sehr schön." "Gehen sie bergsteigen?" "Was machst du gerne?" "Was studieren Sie?" "Ist das ihr Sohn?" "Ist das die Mama?" Gerne würde er mit jedem Besucher noch länger plaudern, sagt er den Journalisten, aber man kann die anderen nicht so lange warten lassen, und so geht es im Eiltempo weiter.
"Ein Geschenk? Das können wird uns nicht leisten"
Um Zeit zu sparen und so möglichst vielen Menschen in die Hofburg zu bringen, werden die Erinnerungsfotos von einem Profifotografen geschossen. Fischer macht aber immer wieder eine Ausnahme und lächelt auch für die mitgebrachten Kameras: "Kommen's g'schwind." "Come here." Neben den Glückwünschen bekommt er auch heuer wieder Geschenke in die Hand gedrückt, vielleicht aber etwas weniger als sonst. "Ein Geschenk? Das können wird uns nicht leisten. Das geht sich budgetmäßig nicht aus", sagt Marcus aus Wels. Er hofft aber, dass sich ein Foto mit dem Bundespräsidenten ausgeht - das tut es.
Studenten mit Kranzniederlegung auf Uni-Treppen
Beim Tag der offenen Tür im Kanzleramt und in den Ministerien am Minoritenplatz war im Anschluss allerdings eher das aktuelle Sparbudget Thema. Faymann zeigte für die vorgebrachten Beschwerden zwar Verständnis, verwies aber auf die Konsolidierungsnotwendigkeit: "Ich wünsche mir auch mehr, aber das ist das Problem mit dem Sparbudget." Immerhin habe man die Wiedereinführung der Studiengebühren verhindert, warb der Kanzler um Verständnis.
Für die gegen das Sparpaket protestierenden Studenten ist das freilich ein schwacher Trost. Sie machten ihrem Unmut gegen die Streichung der Familienbeihilfe für 24- und 25-Jährige (passend zum Nationalfeiertag) mit einer Kranzniederlegung auf den Treppen zur Universität Wien Luft. "Tief erschüttert geben wir den Tod der Zukunft Österreichs bekannt", hieß es auf einer von etwa 20 Demonstranten verteilten Parte.
Mehr Zulauf hatte am frühen Nachmittag ein "Flashmob" vor dem Eurofighter-Nachbau am Heldenplatz: Kurz nach 14 Uhr ließen die Demonstranten Tausende Seifenblasen gen Himmel steigen. Auf Transparente und Slogans wurde allerdings verzichtet - ob sich den beim Eurofighter Schlange stehenden Schaulustigen der Sinn der Aktion erschloss, ist nicht bekannt.
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