10.11.2020 08:00 |

Im Zillertal

Mit Leggings bekleidet auf Grat biwakiert

Diese Nacht werden die vier deutschen Studenten nicht vergessen: Trotz Schnee und Eis wollte das Quartett am Sonntag den Grundschartner (3065 m) in den Zillertaler Alpen über die Nordkante erklettern. Mangelhaft ausgerüstet und überfordert saßen die Deutschen bei Einbruch der Dunkelheit in 2800 Metern fest. Nach einem Biwak am Grat wurden sie am Montag per Heli unverletzt geborgen.

Die beiden Burschen (20 und 24 Jahre) und die zwei Frauen (22 und 25), die alle in Innsbruck studieren, starteten am Sonntag gegen 5.30 Uhr im Zillergrund zu der Tour. „Schon beim Zustieg zur Nordkante hatte einer, der nur mit Halbschuhen ausgerüstet war, auf den Schneefeldern Probleme“, schildert Markus Trenner von der Alpinpolizei Schwaz. Dennoch stiegen die vier dann in den Grat ein.

Der zählt zu den alpinen Kletterklassikern in den Ostalpen mit Passagen bis zum sechsten Schwierigkeitsgrad. „Die Tour ist mit 18 Seillängen angeschrieben, nach der 13. Seillänge steckten die Bergsteiger fest“, informiert Trenner.

Kein Wunder: Im November geben auf der Route Schnee und Eis den Ton an. Obwohl sich der Gipfel gegen 16 Uhr außer Reichweite befand und es dämmerte, zögerten die Deutschen noch eine Stunde mit einem Notruf – bis 17 Uhr.

„Aufgrund der Dunkelheit in Kombination mit den Verhältnissen am Grat war es praktisch unmöglich, eine terrestrische Rettungsmannschaft hinauf zu schicken“, informiert Florian Eder, Einsatzleiter der BR Mayrhofen. „Dies hätten wir nur gewagt, wäre eine Person schwer verletzt gewesen.“

Da auch der Polizeihubschrauber Libelle nicht mehr starten konnte, mussten die Deutschen in 2800 Metern am ausgesetzten Grat bei Temperaturen um den Gefrierpunkt biwakieren. Immerhin fanden sie in einem Felsloch etwas Schutz, denn das Quartett hatte lediglich zwei Rettungsdecken aber keine Biwaksäcke mit. „Eine der Frauen war außerdem nur mit einer dünnen Legginghose bekleidet“, sagt Alpinpolizist Trenner.

„Ich habe in der Nacht dann mehrmals mit den Deutschen telefoniert und sie über den Rettungseinsatz am Morgen informiert“, schildert Bergretter Eder.

Am Montagmorgen konnte schließlich die Libelle starten und die Studenten mittels Tau aus ihrem eisigen und luftigen Gefängnis ins Tal fliegen. Alle waren unverletzt und benötigten nicht einmal medizinische Versorgung. Sie fuhren sogar wieder selbstständig zurück nach Innsbruck.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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