"Wenn ich so die Diskussionen weltweit höre, Interesse besteht auf der ganzen Welt - beeindruckend. Das hätte ich mir nie so erwartet", sagte Muster am Samstag nach der Auslosung für seine Rückkehr auf die ATP-Tour nach elf Jahren. Nach sechs Challenger-Einsätzen versucht sich der 44-fache Turniersieger und bisher einzige Grand-Slam-Einzel-Champion Österreichs in der nächsthöheren Kategorie, den Zenit nach seinem Wiederbeginn will er aber erst im kommenden Jahr erreichen.
Weder ein Presse-Gag, noch das Geld, noch Medienpräsenz seien für ihn interessant gewesen, versichert der French-Open-Sieger 1995. "Für mich persönlich muss es befriedigend sein. Jeden Tag besser zu werden, den Ball super zu spüren, tolle Bälle zu spielen ist wieder ein Kick", erklärt Muster und er zieht dabei auch keinerlei Vergleiche zu seiner ersten Karriere. "Ich lebe im Jetzt, spiele den Passierball oder den Stopp jetzt." Ob er diesen oder jenen Ball vor 25 Jahren erlaufen hätte, diese Frage stellt er sich nicht.
"Muster" öffnet Türen, auch für große Turniere
Die Zukunft ist da schon eher interessant für Muster, daher gibt es nach dem "Vorbereitungsjahr" - wie er es nennt - auch schon einen groben Plan für 2011. "Die nächste Saison wird sicher ein Mix aus Challengerturnieren und auch vielleicht in dieser Kategorie", spricht er den ATP-250-Status von Wien an. Rund 25 Wochen auf der Tour, auch zwei Champions-Tour-Events sind geplant. Allein sein Name öffnet ihm durchaus auch Türen für ganz große Turniere. "Wir hatten im August ein Angebot für eine Wildcard in Toronto, und das ist immerhin ein 1000er-Turnier (also das höchste Level nach den Grand Slams-Anm.)", erzählte Straka. Für Muster wäre das aber noch weit zu früh gekommen. Auch in Washington hätte der Steirer ein Startticket für den Hauptbewerb erhalten.
Start in Wien als Außenseiter
Natürlich sei er in Wien gegen jeden Außenseiter, weiß Muster. Aber auch für Menschen, die sich nicht so fürs Tennis interessieren, ist es ein Thema. "Ich sehe das positiv für das Tennis. Ich bin nicht der, der das Tennis wieder populär machen will - das ist die Aufgabe von Jürgen Melzer und das macht er auch sehr gut mit der Unterstützung der Presse", stellt der Leibnitzer und zweifache Vater klar. Dass sich aber auch für ihn noch viele Leute interessieren, ist ihm klar. "Bis jetzt war jedes Stadion, wo ich gespielt habe, voll." Vom Leistungspotenzial traut sich der enorm schlanke und durchtrainierte Muster schon noch eine Steigerung zu.
"Man kann nicht in fünf, sechs Monaten die Welt zerreißen"
Was man von den Trainingsleistungen her und von der Fitness her sieht, ist eine gute Möglichkeit da, doch einige Partien zu gewinnen." Wobei sich Muster nicht auf ein Ranglistenziel festlegt. "Das wäre vermessen in dem Alter." Ob es einen körperlichen Vergleich zu früher gibt? "Mit 43 ist man nie dort, wo man früher war. Ich schaue fit aus, bin auch fit, aber man kann nicht in fünf, sechs Monaten die Welt zerreißen. Ich brauche ungefähr ein Jahr, man muss sich muskulär drauf einstellen, der Körper muss daran gewöhnt werden und es ist auch Matchpraxis ein Thema. Es dauert eine gewisse Zeit, aber ich bin auf dem besten Weg."
Muster sieht es als Test an ihm selbst, was noch möglich ist. Die Leistungssteigerung sei "extrem gut" in letzter Zeit gewesen, doch die Kurve werde irgendwann abflachen. "Je näher man hinkommt zum Leistungspotenzial, desto härter wird jeder Millimeter. Am Anfang geht es steil bergauf. Man wird sehen wie der Körper das verdaut."
"Manche wollen es herausfinden"
Ärztlich ist er natürlich unter Kontrolle. "Wenn ich am Platz umfalle, soll es nicht schlimmer sein, es ist besser als anders." Sportmedizinisch wird er noch weitere Untersuchungen machen. "Es ist Teil des Experiments: Wo war ich vor zehn, 15 Jahren? Die Tests sind ja dieselben. Dann kann man Schlüsse daraus ziehen." Für so manchen Sportwissenschafter wohl auch eine interessante Aufgabe. "Das könnte man so sehen. Aber auch andere Sportler haben in meinem Alter noch Höchstleistungen gebracht. Ich bin ja nicht die Ausnahme, manche wollen es herausfinden", sagte Muster, der sich nach einem Challenger-Einsatz in Salzburg drei Monate intensiv in Australien auf 2011 vorbereiten und auch bei den Australian Open Trainingspartner suchen will.
"Auf die meisten Denkmäler gacken eh nur die Tauben"
Eine Replik hatte Muster noch für jene Leute, die sich fragen, warum er sich das antut oder warum er sein Denkmal besudle. "Ich höre das immer, aber ich tue mir gar nichts an und ich tue mir auch gar nicht selbst leid. Es ist einfach so, dass ich es gerne mache. Denkmal hin, Denkmal her, wurscht, weil auf die meisten Denkmäler gacken eh nur die Tauben." Eines gestand er dann schon, noch einmal nach dem Beweggrund für all das befragt. "Du brauchst eine Vision, aber du musst auch ein bisserl deppert sein, dass du das machst. Ein gewisser Fanatismus und Selbstironie gehören auch dazu. Es wird eine spannende Reise."









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