Giftschlamm-Unglück

Fabrikbesitzer bietet lächerliche Entschädigung an

Ausland
18.10.2010 16:19
5,5 Millionen Euro, verteilt auf fünf Jahre: So viel - oder besser gesagt wenig - Geld will einer der Eigentümer der ungarischen Aluminiumfabrik bereitstellen, um die Anwohner zu entschädigen, die durch die Giftschlamm-Katastrophe all ihr Hab und Gut verloren haben. Die Zahlung würde nach seiner Meinung übrigens kein Schuldeingeständnis darstellen. Wer an der Katastrophe schuld ist, sei nämlich noch lange nicht geklärt.

MAL sei bereit, über die kommenden fünf Jahre 1,5 Milliarden Forint (etwa 5,5 Millionen Euro) als Entschädigung an die Opfer zu zahlen, sagte einer der Eigentümer der Firma, Lajos Tolnay, am Montag der Online-Regionalzeitung "Boon".

Die meisten der rund 800 Bewohner des evakuierten Dorfes Kolontar waren am Samstag wieder in ihre Häuser zurückgekehrt - oder in das, was von ihnen übrig geblieben ist. Nach Angaben des ungarischen Innenministeriums vom Montag wollen 191 Menschen jedoch in Zukunft an anderen Orten im Land leben. "94 Häuser sind leergeblieben", erklärte das Ministerium.

Im Moment sei es noch nicht möglich, die Frage der Verantwortung für die Schlamm-Katastrophe zu klären, sagte Fabrik-Mitbesitzer Tolnay. "Aber man muss sich um die menschlichen Tragödien kümmern und wohl oder übel die finanzielle Entschädigung regeln."

Alu-Werk läuft ab Dienstag wieder auf Hochtouren
Unterdessen wird das Aluminium-Werk schon bald wieder mit voller Kapazität arbeiten. Am Dienstag solle die Fabrik ihre alte Produktivität erreicht haben, sagte eine Sprecherin des ungarischen Katastrophenschutzes der Nachrichtenagentur MTI. Am Freitag war das Werk wieder angefahren worden. Mittlerweile hat eine staatliche Kommission die Kontrolle über die Anlage übernommen. Das Werk soll bis zu zwei Jahre vom Staat geleitet werden.

Umweltstaatssekretär Zoltan Illes hatte dem Werk die Betriebsgenehmigung entzogen, nachdem aus einem Abfallbecken rund 750.000 Kubikmeter giftigen Bauxitschlamms ausgeflossen waren. Dabei starben in den benachbarten Ortschaften Kolontar und Devecser neun Menschen, rund 150 wurden verletzt. Die laugen- und schwermetallhaltige Brühe verseuchte eine Fläche von 40 Quadratkilometern.

Bundesheer-Experten: "Massive Baumängel"
Die fünf Spezialisten des österreichischen Bundesheeres, die in das von der Giftschlamm-Katastrophe betroffene westungarische Komitat Veszprem geschickt worden sind, orteten unterdessen schwere Baumängel am Damm der ungarischen Aluminiumfabrik. Das Bauwerk sei veraltet gewesen und sei immer wieder aufgeschüttet worden, sagte ein Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums.

Der ungarische Katastrophenschutz verschärfte derweil die Bedingungen für unabhängige Messungen in dem Unglücksgebiet. Diese dürfen fortan nur noch von Personen und Organisationen vorgenommen werden, die eine behördliche Genehmigung haben, gab Bakondi bekannt. Unabhängige Umweltorganisationen wie Greenpeace hatten immer wieder Schadstoffwerte gemessen, die deutlich über jenen der offiziellen ungarischen Messungen lagen.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele