Kino im Untergrund

Kinosaal in Pariser Katakomben eingerichtet

Viral
21.09.2004 13:38
18 Meter tief im Pariser Erdboden, in der Nähe des Eifelturms, hatten die Filmfreunde sich behaglich eingerichtet. In uralten Stollen im Chaillot-Hügel im edlen 16. Arrondissement nutzten sie eine 400 Quadratmeter große Höhle für Vorführungen von Filmklassikern. Doch die Kulturmetropole Paris fand an dem Untergrundkino keinen Gefallen und ließ den Raum abriegeln.
"Ein Plastikvorhang mit dem Schild "Baustelle- betreten verboten" hat das Kino verborgen", sagte ein Polizistder Pariser Zeitung "Libération". Der illegale Vorführungsraumwar mit allem versehen, was zu einem richtigen Kino dazu gehört:Projektor, Leinwand, Sitzreihen - und in einem Nebenraum sogareine Bar. Polizisten fanden Filmrollen mit Schwarz Weiß-Krimisaus den 50er und 60er Jahren. 
  
Alarmanlage für Untergrund-Kino 
Beamte einer Sondereinheit der Polizei, die fürdie unterirdischen Stollen und Gänge verantwortlich ist,stießen am 23. August während einer Fortbildung aufden Raum. Als sie den Vorhang zurückzogen, schreckten siezunächst zurück. Lautes Hundegebell schallte ihnen entgegen.Das war kein angriffslustiger Wachhund, der sich auf die Polizistenstürzte, sondern eine geschickt montierte Abwehranlage. Siesollte ungebetene Gäste abhalten, sich dem Filmraum zu nähern.Einer der Polizisten hatte den Alarm ausgelöst, als er übereinen Draht stieg. Dieser führte direkt in eine kleine Höhle,in der neben der Alarmanlage auch ein Telefon installiert war.
  
Die Unbekannten hatten schon mit dem Besuch derPolizei gerechnet. Auf eine Wand schrieben sie: "Sucht uns nicht."Daneben zeichneten sie Davidsterne, Haken- und Keltenkreuze. Einenrechtsradikalen Hintergrund schließt die Polizei aber aus.
  
Es könnte sich bei den Unbekannten um Angehörigeder Gruppe "die Kataphilen" handeln, die sich seit Jahren in dendunklen und abgesperrten Pariser Stollen herum treiben und sicheinen Spaß daraus machen, im Untergrund der glitzerndenModemetropole zu verschwinden. Beim französischen RundfunksenderRTL meldete sich dagegen eine Gruppe mit dem Namen "MexikanischeDurchlöcherer", die sich zu dem Kino bekannte. 
  
Die Tunnel sind etwa 285 Kilometer lang und unterlaufenganz Paris, vor allem jedoch das linke Seineufer. Vom Mittelalterbis ins 19. Jahrhundert hinein ließen die Stadtherren dieStollen graben, um Steine aus dem Untergrund für die gewaltigenPariser Prachtbauten zu bekommen. Seit 1955 ist der Zugang zuihnen verboten. Sie erfreuen sich aber besonders bei Jugendlichengroßer Beliebtheit. Erst vor kurzem hatten unterirdischeGänge zu Stollen unterhalb des Schwerverbrecher-GefängnissesSanté in Paris für Aufregung gesorgt. 
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