Wirkung im Gehirn

Verliebtheit dämpft Schmerzen genau wie Medikamente

Wissenschaft
14.10.2010 14:38
Verliebtheit wirkt im Gehirn wie ein starkes Schmerzmittel - und nun haben Wissenschaftler die Ursache dafür gefunden: Liebe stimuliert ähnlich einer Droge das Belohnungszentrum. Und auch wenn der Arzt keine Schmetterlinge im Bauch verschreiben kann, erhoffen sich die Forscher von ihrer Entdeckung Hilfe für chronische Schmerzpatienten.

"Vielleicht kann man sich ein wenig Leidenschaft in der Beziehung verschreiben und damit dem anderen mit seinen chronischen Schmerzen helfen", sagt der Co-Autor der Studie, Doktor Sean Mackey von der Universität Stanford.

Die Entdeckung beginnt mit dem Psychologie-Professor Arthur Aron von der Universität von New York, der die Neurologie der Liebe untersucht. Er stellte einen Zusammenhang her zwischen der Euphorie einer neuen Liebe und den Regionen des Gehirns, in denen sich das Glückshormon Dopamin findet. "Wenn die Menschen verliebt sind, ist das der Einnahme von Amphetaminen und anderen Aufputschmitteln nicht unähnlich", erklärte die Expertin Doktor Nora Volkow.

Nur Ablenkung oder echte Hilfe?
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass jemand, der ein Bild seiner neuen Liebe anschaut, weniger Schmerzen empfindet. Aber lenkt die neue Liebe sie nur ab? Oder wirkt die Liebe auf ganz andere Art? Die Forscher gingen an die Arbeit und suchten mit Hilfe von Aushängen nach freiwilligen Verliebten für ihre Untersuchung. Innerhalb weniger Stunden strömten Paare in ihre Büros. So leicht sei es ihm noch nie gefallen, Probanden für eine Studie zu finden, erzählt Mackey schmunzelnd.

Für die Tests wurden schließlich 15 Personen ausgewählt. Sie schauten sich entweder ein Bild ihrer neuen Liebe oder ein Bild eines attraktiven Bekannten an oder erhielten Aufgaben zur Ablenkung. Die Forscher berührten sie dann mit einem heißen Stab, um moderate Schmerzen hervorzurufen und scannten dabei ihr Gehirn.

Das Bild der neuen Liebe und die Ablenkung dämpften den Schmerz gleichermaßen. Die Ablenkung zeigte sich allerdings in den kognitiven Bereichen des Gehirns, während der oder die Geliebte auf das Belohnungszentrum wirkte, wie das Forscherteam in der Zeitschrift "PLoS One" berichtet.

Wirkung spielt sich im Gehirn ab
Das Gehirn kann also ohne Medikamente Schmerzen erträglicher machen. Wenn man diese Mechanismen besser verstehe, könne man sie möglicherweise auch auslösen, sagte Volkow. Allerdings hat eine längere Beziehung diese Wirkung auf das Belohnungszentrum nicht. Und doch gibt es Hoffnung für langjährige Paare: Aaron erklärte, er habe kürzlich herausgefunden, dass neue Unternehmungen mit dem Partner die alte Leidenschaft wieder wecken könnten. "Das ist eine gute Idee, egal, ob man Schmerzen hat oder nicht."

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