Bevor er sich als Notarzt bewarb, habe er noch mit Hilfe einer gefälschten Approbation aus Deutschland bei der Wiener Ärztekammer einen Notarztkurs erfolgreich absolviert, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Michaela Schnell, am Donnerstag.
Notarzt-Kurs im zweiten Anlauf bestanden
Der 38-Jährige war bei der Prüfung zunächst "mit Bomben und Granaten" durchgefallen, so Schnell. Beim zweiten Anlauf bestand er jedoch. Der Kurs fand in der Sanitätsschule in Stammersdorf in Floridsdorf statt. Die Infrastruktur werde vom Österreichischen Bundesheer auf dem Gelände des Heeresspitals zur Verfügung gestellt, erklärte Ute Axmann vom Verteidigungsministerium. Die Prüfung habe ein ziviler Arzt von den Barmherzigen Brüdern abgenommen. Danach erhält der Kursteilnehmer ein Zeugnis mit einem Stempel der Ärztekammer. Axmann bezeichnete den Kurs als "sehr schwer".
Nur Zertifikat, kein Diplom
Die Wiener Ärztekammer bestätigte Donnerstagnachmittag in einer Stellungnahme, dass der 38-jährige Deutsche im März an dem Notarztkurs in Zusammenarbeit mit der Heeressanitätsschule teilgenommen hat. Das im Anschluss erhaltene Zertifikat bestätige jedoch nur den Kursabschluss, bringe aber keine Berufsberechtigung als Notarzt. Dazu benötige man ein Notarztdiplom, erklärte die Ärztekammer.
Die am Ende des Kurses abgehaltene Prüfung hat der 38-Jährige zunächst nicht bestanden. Am 16. Juni 2010 ist er zur Nachprüfung in die Ärztekammer gekommen. Diesmal hat er die Prüfung erfolgreich absolviert und das Zertifikat erhalten. Wilfried Ilias, Referent für Notfallmedizin in der Ärztekammer, war Beisitzer bei der Wiederholungsprüfung des 38-Jährigen. Ihm sei dabei nichts aufgefallen.
"Wir haben daraus gelernt"
Den Kurs könne praktisch jeder absolvieren. "In der Regel sind die Teilnehmer jedoch Mediziner, die noch nicht (mit der Ausbildung, Anm.) fertig sind", so Ilias. Das habe den Vorteil, dass ein Turnusarzt sich so zusätzliches Wissen in der Notfallmedizin aneignen kann. "Man muss kein fertiger Arzt sein, um den Notarztkurs zu machen." Ilias: "Wir haben daraus gelernt und werden jetzt schon beim Eintritt fragen, wer sind Sie und was machen Sie."
Das vom 38-Jährigen gewünschte Notarztdiplom hat er deshalb von der Ärztekammer nicht erhalten, da er zu keinem Zeitpunkt als approbierter Arzt in die Standesliste eingetragen war. Die ihm dafür aufgetragenen Unterlagen habe er nie beigebracht.
Danach bewarb sich der Deutsche beim ASBÖ und wurde im August als Notarzt auf Honorarbasis engagiert, bestätigte Martina Witek, Sprecherin beim Arbeitersamariterbund. Dreimal sei er probeweise in Begleitung eines zweiten Notarztes bei Einsätzen mitgefahren, danach habe er den Dienst neun Mal alleine absolviert. Doch die Kollegen schöpften nach und nach Verdacht, weil er sich bei Einsätzen auffallend zurückhielt.
Als Arzt auch für Rotes Kreuz im Einsatz
Nach seiner Arbeit beim ASBÖ dürfte der Mann dann im September zunächst beim Roten angeheuert haben. Laut Staatsanwältin Schnell war er zweimal für das Rote im Einsatz. Rotkreuz-Sprecher Andreas Zenker bestätigte, dass der Deutsche für die Organisation im Dienst war. Das soll am 20. September in Melk der Fall gewesen sein. Er habe bei diesem Einsatz einen Patienten versorgt, aber keine medizinischen Handlungen gesetzt, sagte Zenker. Der Patient wurde nach der Übergabe durch seinen Hausarzt sofort ins Krankenhaus gebracht. "Die Personalhoheit liegt beim Landesklinikum Melk", so Zenker. Dem Roten Kreuz obliege es nicht, die Notärzte zu überprüfen.
In der Zwischenzeit bestätigte auch das Landesklinikum Melk, den 38-Jährigen als Mediziner beschäftigt zu haben. "Über Vermittlung eines externen Personaldienstleisters bediente sich das Landesklinikum Melk für acht Stunden dieser Person", erklärte Klaus Schuster, Regionalmanager der Region Mostviertel.
Ursprünglich war auch berichtet worden, dass der Deutsche zudem beim Grünen Kreuz tätig geworden sei, was dessen Sprecher Markus Svoboda aber dementiert. Man habe den Mann lediglich bei einer Veranstaltung getroffen, wo der sich als Notfallmediziner ausgegeben habe.
Verdächtiger sitzt derzeit in U- Haft
Der Verdächtige sitzt zurzeit in Untersuchungshaft. Gegen den "Möchtegern-Arzt" dürfte wegen Kurpfuscherei sowie schweren gewerbsmäßigen Betruges ermittelt werden. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.
Hatte es zunächst geheißen, dass keine Patienten zu Schaden gekommen seien, so gibt es nun den schlimmen Verdacht, dass bei einem Einsatz ein Patient verstorben sei, nach einem weiteren soll eine Frau noch im Koma liegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.










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