SPÖ stellt Comic vor

Letzte Frontalangriffe im Wien-Wahlkampf

Österreich
06.10.2010 11:55
Im Endspurt des Wiener Wahlkampfes werden jetzt die letzten Frontalangriffe gestartet. Die SPÖ hat am Mittwoch ihre Antwort auf den vielkritisierten "Sagen aus Wien"-Comic der Freiheitlichen vorgestellt. In dem Bildband kämpft ein vermummter Müllmann zusammen mit dem Wiener Bürgermeister gegen Nazi-Zombies und einen Androiden mit dem Aussehen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Hatte sich der FP-Comic über weite Strecken der Geschichte bedient, u.a. der Türkenbelagerung, so zeichnet die SPÖ eine Dystopie. Mastermind des Bösen ist in der Geschichte ein "Meister Kackl", der den willenlosen Strache-Androiden wie eine Marionette steuert und als "Terror-Rapper" gegen Ausländer auftreten lässt. Neben der Anspielung auf FP-Generalsekretär Herbert Kickl sind auch weitere freiheitliche Politiker unter den in schwarz-weiß gehaltenen Feindbildern identifizierbar.

So taucht etwa Generalsekretär Harald Vilimsky als buckliger Scherge namens Villi auf, Strache selbst firmiert unter C. H. Heinrich, wohl eine Anleihe bei dessen Couleurnamen in der Burschenschaft "Vandalia". Auch auf die Darstellung Michael Häupls als alkoholsüchtigen Lebemann in den freiheitlichen Sagen gibt es eine Replik: Der Strache-Android wird von einem "Pulverschnee-Generator" angetrieben, die Software liegt auf einer "Germania-Disk" mit angedeuteter Hakenkreuz-Rune. SP-Jugendkoordinator Peko Baxant, der für das Projekt verantwortlich zeichnet, sprach von einer "gewissen Parallelität zur Wirklichkeit" bei den Charakteren.

SPÖ sieht Comic nicht als Gewalt-Aufruf
Am Ende siegt der Held namens Mr. X, weil er dem Androiden den SPÖ-Wahlslogan "Jetzt geht's um Wien" als Code implantiert und dieser daraufhin vom Kurzschluss getroffen wird. Unterstützung gibt es von einem Bürgermeister, der verdächtig wie Häupl aussieht und dem "Nazi-G'sindel" attestiert, "wo angrennt" zu sein. Davor geht es heftig zu Sache, Mr. X schlägt die Zombies (Versammlungsort: die Burschenschaft "Rassmia") reihenweise zu Boden.

Dabei hatte sich die SPÖ lautstark über die Gewalt in dem Strache-Comic beschwert. Dort fordert die Strache-Figur einen Buben auf, er solle dem "Mustafa" mit der Steinschleuder "ane aufbrennen". Einen Aufruf zur gewalttätigen Konfliktlösung will Baxant im SPÖ-Comic hingegen nicht erkennen. Verprügelt würden schließlich nur die Untoten, und "mit Zombies kann man ja nicht reden". Siegreich sei man im Comic durch Häupls Freundschaftsbotschaft: "Wir besiegen das Böse nicht mit Gewalt, sondern mit Worten." Strache wolle man in dem von Illustrator Harold Khan verfassten Werk als "lächerlich, weil ferngesteuert" darstellen. Mit den peinlichen "Hassschmierereien" im FPÖ-Comic sei das nicht vergleichbar.

Anders als von den Freiheitlichen werden die Wiener mit dem SP-Comic nicht per Postwurfsendung zwangsbeglückt. Die Auflage beträgt nur 60.000 Stück und wird an Jugend-Hotspots verteilt.

Comic für Vilimsky "Schwachsinnigkeit"
FPÖ-Generalsekretär Vilimsky bezeichnete den Wahlkampfcomic am Mittwoch als eine nicht ernstzunehmende "Schwachsinnigkeit". Rechtlich dagegen vorgehen will er nicht, stattdessen schoss er sich auf SP-Gemeinderat Baxant ein. "Das Urteil, das über Herrn Baxant gesprochen wird, folgt am Sonntag, und es wird vernichtend sein", so Vilimsky.

"Baxant ist ein tschechisches Migrantenkind, das im Kommunismus sozialisiert wurde und offensichtlich noch Teile dieser Vergangenheit in sich trägt", sagte der Generalsekretär: "Im politischen Koordinatensystem der Republik ist Baxant ein Nullum." Das Comic sei eine billige Kopie. "Die SPÖ hoppelt uns bei allem nach und greift gleich ganz tief in die Schublade", so Vilimsky.

"Antichrist" und "rote Nazis", "Loser" und "dummer Mensch"
Im Wahlkampf-Finish spitzten sich die Anfeindungen zwischen SPÖ und FPÖ zuletzt immer mehr zu - und wurden auch persönlicher. Bei der ATV-Wahlkonfrontation am Sonntag meinte der SPÖ-Chef auf Straches Nebenbemerkung, dass Häupl die Bildungspolitik in "Weinseligkeit" bisweilen vernachlässige: "Warum fangen Sie schon wieder an, so persönlich zu werden: Ich spreche über Ihre Konsumgewohnheiten auch nicht." In einer FPÖ-Aussendung wurde Häupl am Montag als "Antichrist" bezeichnet. Strache ruderte tags darauf zurück und ließ mitteilen, er habe dies nie gesagt, die ihm zugeschriebene Aussage  beruhe auf einer "Verselbstständigung des Pressedienstes". Am Dienstag verbot ein Gericht der FPÖ per einstweiliger Verfügung, die Wiener SPÖ "rote Nazis" zu nennen.

Aber auch Häupl hat dem Freiheitlichen-Boss bereits einiges an den Kopf geworfen und ihn u.a. "Zerstörer", "Loser" und mit einem Zitat des früheren SPÖ-Bundeskanzler Bruno Kreisky indirekt einen "wirklich dummen Menschen" genannt. Als die FPÖ den Sozialdemokraten vorwarf, eine "Islamistenpartei" zu sein, meinte Häupl: "Wenn ich sagen würde - was ich natürlich nicht sage -, dass die FPÖ eine Nazi-Partei ist, gäbe das eine fürchterliche Aufregung."

Urnengang am 10. Oktober
Bei der heurigen Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl, die am 10. Oktober abgehalten wird, geht es den Prognosen nach um die absolute Mehrheit der SPÖ. Alle drei im Stadtparlament vertretenen Oppositionsparteien (ÖVP, Grüne, FPÖ) wollen diese brechen. Beim Urnengang 2005 hatten die Sozialdemokraten unter Häupl mit 49,09 Prozent noch einen Zuwachs von 2,18 Prozentpunkten erzielt und damit ihre absolute Mehrheit an Mandaten im Gemeinderat ausgebaut, die sie 2001 - nach einer Legislaturperiode an der Seite der ÖVP - wieder zurückerobert hatten.

In Wien sind bei der Gemeinderatswahl 1,144.510 Personen wahlberechtigt, bei den gleichzeitig stattfindenden Bezirksvertretungswahlen sind es 1,252.877. In dieser Zahl sind auch 108.367 nichtösterreichische EU-Bürger enthalten.

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