"Inventur im Ozean"

Forscher finden rund 6.000 neue Meerestierarten

Wissenschaft
05.10.2010 10:19
Tausende zuvor unbekannte Lebensformen haben Forscher in den vergangenen zehn Jahren bei einer der größten wissenschaftlichen Gemeinschaftsaktionen überhaupt in den Weltmeeren aufgespürt. Am Montag wurden in London die Ergebnisse des von weltweit 2.700 Wissenschaftlern aus 80 Nationen zusammengetragenen "Census of Marine Life" (Volkszählung der Meere) vorgestellt. Wichtigste Erkenntnis: Das Leben in den Ozeanen ist deutlich vielfältiger als bisher angenommen.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler nach den neuesten Erkenntnissen eine geschätzte Zahl von fast 250.000 bekannten Tierarten in den Weltmeeren ausmachen, bisher lag diese Zahl bei 230.000. Mehr als 1.200 neue Arten von Meerestieren konnten ausführlich beschrieben werden, mehr als 5.000 weitere wurden entdeckt, aber noch nicht abschließend beschrieben. Weltweit wurden in die Untersuchungen 650 Millionen US-Dollar (rund 472 Millionen Euro) investiert.

Erst ein Viertel aller Arten beschrieben
Die Forscher gehen nun davon aus, dass in den Weltmeeren insgesamt eine Million höhere Lebensformen zu Hause sind, von denen allerdings erst ein Viertel vollständig wissenschaftlich beschrieben sind. Dazu kommen noch bis zu eine Milliarde Mikroben-Arten. Allein in einem Liter Meerwasser befinden sich rund 38.000 Mikroben, in einem Gramm Meersand bis zu 9.000. Sogar in weniger belebten Regionen des Ozeans, etwa in der Ostsee oder der Region vor Nordost-Amerika, kommen bis zu 4.000 verschiedene Tierarten vor.

Die Wissenschaftler haben das gesamte Leben im "Planeten Ozean" untersucht - von der Arktis bis zu den Tropen. Im Schnitt ein Fünftel der Arten in den Meeren sind Krustentiere wie Krebse oder Hummer, 17 Prozent sind Weichtiere wie etwa Tintenfische. Einer der "Superstars" unter den Neuentdeckungen ist der "Yeti-Krebs", der aussieht als hätte er weiße, haarige Fausthandschuhe an". In allen Meeren sind Überfischung, Verschmutzung und steigende Wassertemperaturen die größten Bedrohungen für die Artenvielfalt - mit regional jeweils unterschiedlicher Bedeutung.

"Größter Teil des Ozeans bleibt für immer unentdeckt"
Ein wenig mussten die Wissenschaftler auch kapitulieren. "Am Ende des Zensus wissen wir, dass der größte Teil des Ozeans für immer unentdeckt bleiben wird", sagte die Wissenschaftlerin Nancy Knowlton, die sich für die Studie mit Korallenriffen beschäftigt hat. "Der Ozean ist einfach zu groß, nach zehn Jahren harter Arbeit haben wir nur einen Schnappschuss dessen, was die See enthält."

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