Nach Meuterei
Polizisten wegen versuchten Mordes an Correa verhaftet
In Quito kehrte am Freitag wieder Ruhe ein, der am Donnerstag verhängte Ausnahmezustand wurde aber aufrecht erhalten. Correa nahm unter strengen Sicherheitsvorkehrungen seine Arbeit wieder auf. Nicht einmal seine Anhänger, die am Donnerstag zu Tausenden seine Befreiung gefeiert hatten, durften sich dem Präsidentenpalast nähern. Polizeichef Freddy Martinez sagte, der Staatschef sei "sicher und wohlauf". Martinez kündigte zugleich seinen Rücktritt an.
Innenminister Gustavo Jalkh sagte, die Polizisten seien nach "einem unglücklichen, kritischen, chaotischen" Tag wieder zur Arbeit gegangen. Laut Vize-Innenminister Edwin Jarrin hätten lediglich 600 der insgesamt 40.000 Polizeibeamten des Landes an den Protesten teilgenommen. Demonstrationsteilnehmern zufolge sollen es jedoch mindestens 2.300 Polizisten gewesen.
Protest gegen Streichungen
Die meuternden Sicherheitskräfte hatten am Donnerstag gegen die vom Parlament beschlossene Streichung von Gehaltszuschlägen protestiert. Sie besetzten Kasernen und Kommissariate, blockierten in Quito den Flughafen und stürmten das Parlamentsgebäude. Correa begab sich nach Beginn der Proteste in eine Polizeikaserne, um die Aufständischen zu besänftigen. Dort forderte er die Menge heraus: "Wenn Ihr den Präsidenten töten wollt, hier ist er", sagte er.
Als die Stimmung sich immer weiter aufheizte und eine Tränengasbombe vor Correa explodierte, wurde er eilig in ein Krankenhaus gebracht. Dort konnte er stundenlang nicht heraus, weil wütende Polizisten das Gebäude umstellten. Vor dem Krankenhaus kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anhängern des Präsidenten. Unter heftigen Schusswechseln zwischen Soldaten und Polizisten befreiten schließlich Spezialkräfte der Armee Correa und brachten ihn zum Präsidentenpalast. Das Auto, in dem sich der Staatschef befand, wurde von Kugeln getroffen. Correa sprach von einem "Putschversuch".
8 Tote und über 270 Verletzte
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kamen bei den Protesten acht Menschen ums Leben, 274 weitere wurden verletzt. Drei Todesopfer wurden demnach in der Hauptstadt Quito gezählt, die fünf anderen in der zweitgrößten Stadt des Landes, Guayaquil. Bei zwei der Toten handelt es sich um Polizisten.
Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Jose Miguel Insulza, forderte eine harte Bestrafung der für die Unruhen Verantwortlichen. Was in Ecuador geschehen sei, gehe "weit über eine einfache Demonstration hinaus", sagte der Chilene bei einem Besuch in Quito. "Der Putschversuch von gestern muss untersucht werden und die Verantwortlichen müssen bestraft werden." Es seien "schwere Menschenrechtsverletzungen" begangen worden.
USA: "Ordnung wiederherstellen"
US-Außenministerin Hillary Clinton rief Correa an und sicherte ihm die Unterstützung der USA zu, wie ihr Sprecher mitteilte. "Wir appellieren an alle Ecuadorianer, sich an einen Tisch zu setzen und im Rahmen der demokratischen Institutionen Ecuadors einen Weg zu finden, die Ordnung schnell und friedlich wiederherzustellen." EU- Außenministerin Catherine Ashton zeigte sich "tief beunruhigt" über die politische Krise und forderte die Beteiligten an dem Aufstand zur Gewaltlosigkeit auf.
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