09.09.2020 14:29 |

Katias Kolumne

Türkis-Grün muss wieder in die Spur finden

Diese Regierung hat uns souverän durch die erste Corona-Zeit geführt. Jetzt geht es nicht nur darum, eine zweite Welle zu verhindern, sondern auch das gewonnene Vertrauen in die obersten Krisenmanager zu halten. Die Krux mit der Corona-Ampel trägt nicht viel dazu bei.

Die Corona-Ampel ist an sich eine gute Sache. Dass Regionen mit einer höheren Infektionszahl anders behandelt werden müssen als andere, ist sinnvoll und wäre womöglich schon früher eine überlegenswerte Strategie gewesen. Einen neuerlichen, bundesweiten Lockdown wünscht sich immerhin keiner. Soviel vorweg.

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht
Dennoch heißt gut gemeint nicht immer, dass etwas auch gleich gut gemacht ist. Die bewusste Intransparenz, nach welchen Kriterien eine Region als Risikogebiet gilt, ist in jedem Fall ein grober Vertrauens-Patzer am ohnehin schon verunsicherten Bürger. Dass die Experten, die solch grobe Einschnitte in unser aller Leben zu entscheiden haben, zu einem Gutteil aus der Verwaltung und nicht aus der ärztlichen Praxis kommen, ist nur ein weiterer Punkt, der Bauchweh macht. Das hätte man auch sensibler lösen können.

Es hat schon ein parteipolitisches Gerüchle
Denn so hat die Opposition durchaus einen Punkt, wenn sie ein parteipolitisches Gerüchle in der Entscheidungsfindung ortet. Es ist nur schwer mit reiner Logik zu erklären, warum Linz eine gelbe Risiko-Einstufung hat, während andere Städte mit weit mehr Infektionsfällen als sicher gelten. Da kann sich der Gesundheitsminister argumentativ noch so sehr hinter der entscheidenden Expertenkommission verstecken - verständlich ist das nicht und ein Mief der taktischen Willkürlichkeit bleibt.

Corona-Kritikern können sich über mehr Zulauf freuen
Dieses Mauscheln im Kommissions-Hinterzimmer ist deswegen so gefährlich, weil sie vor allem Corona-Kritikern in die Hände spielt. Sie werden durch Patzer wie diesen nur noch mehr Zulauf bekommen und jene, die bereits zuvor die Corona-Maßnahmen kritisch gesehen haben, werden sich nun durch das Ampel-Wirrwarr einmal mehr bestätigt fühlen. Gerade in Zeiten, in denen wir eine zweite Welle hintanhalten müssen, ist dieser Vertrauensverlust brandgefährlich. Maßnahmen brauchen nämlich auch motivierte Menschen, die sich daran halten.

Für klare Regeln wäre den ganzen Sommer lang Zeit gewesen
Generell beschleicht einen das Gefühl, dass die türkis-grüne Regierung gerade keinen besonders sicheren Tritt hat. Klar, Krisen erfordern schnelle Handlungen, die schon einmal Fehler mit sich bringen können. Für das Ausarbeiten von transparenten Ampelkriterien wäre allerdings den ganzen Sommer lang Zeit gewesen. Diese Regierung muss wieder in die Spur finden. Und das möglichst bald. Corona wird nicht darauf warten.

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