06.09.2020 06:00 |

Auftakt-Interview

Ludwig: „Daheim putze ich, meine Ehefrau kocht“

Schöne Gespräche an schiachen Orten - diesmal mit Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). „Krone“-Wien-Ressortleiter Michael Pommer traf Ludwig, „den großen Integrator“, zum Auftakt der Interview-Serie zur Wien-Wahl.

Krone: Herr Bürgermeister, wir wollen von allen Spitzenkandidaten wissen, welcher Ort in Wien für sie der hässlichste ist. Sie haben uns zum Nordwestbahnhof-Areal geladen. Lassen Sie mich raten: Sie werden sagen, wie schiach der Ort ist und wie wunderschön Sie ihn gestalten werden.
Michael Ludwig: Ich würde da sogar noch ein bisserl mehr in die Tiefe gehen. Ich habe diesen Standort gewählt, weil es eine Reihe von Ereignissen gegeben hat, die zu den schwarzen Zeiten unserer Stadtgeschichte gehören. Da ist zum einen das Attentat im Jahr 1913 auf den sozialdemokratischen Politiker Franz Schuhmeier, der vom Bruder des christlich-sozialen Politikers Leopold Kunschak, Paul Kunschak, ermordet worden ist. Es gab dann 1927 einen Pistolen-Attentatsversuch auf den legendären Bürgermeister des Roten Wien, Karl Seitz. Im März und April 1938 haben auch viele Nazi-Größen in der Halle des Nordwestbahnhofs Reden gehalten. Ich sehe an diesem schrecklichen Ort aber auch eine sehr positive Perspektive für die Zukunft. Wir werden hier eines der letzten großen Stadtentwicklungsgebiete in Wien errichten, das rund 44 Hektar groß sein wird.

Sehr eilig hatten es die Stadtregierungen der vergangenen Jahrzehnte ja nicht dabei. Die FPÖ, Ihr Lieblings-Nicht-Koalitionspartner, hat dazu vor Kurzem Folgendes verlautbaren lassen: „Vor zig Jahren hat am Sachsenplatz ein Gastronom ein Lokal mit der Überlegung übernommen, dass er mit jenen Bauarbeitern, die auf dem Nordwestbahnhofgelände einen neuen Stadtteil errichten werden, ins Mittagsgeschäft kommen könnte. Das war 1982. Der Gastronom ist bereits verstorben.“ Sehr traurig, oder?
Das kann man so nicht sagen, weil wir gemeinsam mit den ÖBB eine ganze Reihe Stadtrandentwicklungsgebiete vereinbart haben. Also wenn ich Sie daran erinnern darf, dass in dieser Zeit das gesamte System der Bahnhöfe neu entwickelt worden ist. Wir haben nicht nur die nicht notwendigen Bahnhöfe abgesiedelt, sondern neue Gebiete geschaffen. Rund um den Hauptbahnhof etwa und vieles mehr. Es ist ja nicht so, dass wir wie andere Großstädte nur ein einziges Entwicklungsgebiet haben.

Die Opposition kritisiert, dass diese Pläne immer vor einer Wien-Wahl exhumiert und nachher wieder begraben werden.
Wir haben in den vergangenen Jahren all das, was wir angekündigt haben, auch durchgezogen. Es wohnen Zehntausende Menschen in jenen geförderten Wohnungen, die wir errichtet haben. Das ist nicht Fiktion, das ist Realität.

Es geht in unserer Interview-Reihe auch um die Persönlichkeit der Spitzenkandidaten. Was muss man über Michael Ludwig wissen?
Ich will mit meiner Arbeit die Lebensbedingungen für die Menschen in unserer Stadt verbessern.

Wie würden Sie jemandem, der Sie nicht kennt, Ihre Persönlichkeit beschreiben?
Ich setze auf Zusammenarbeit und bin durchsetzungsstark, wenn es um die Interessen der Wienerinnen und Wiener geht. In einer TV-Diskussion wurde ich als der große Integrator bezeichnet. Das hat mich sehr gefreut.

Wie wichtig ist Ihnen Loyalität?
Loyalität ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Zusammenwirkens. In der Arbeit, aber auch im privaten Leben.

Wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie jemanden wie Hans Peter Doskozil in Ihrem Team hätten, der Sie ständig öffentlich kritisiert, so wie er es bei Parteichefin Pamela Rendi-Wagner tut?
Ich schätze beide Persönlichkeiten. Kritische Diskussionen führt man am besten unter vier Augen.

Würden Sie Sanktionen setzen?
Man muss immer wissen, wenn man solche Diskussionen führt, ob man auch Sanktionsmöglichkeiten hat. Und da gibt es große Unterschiede zwischen Unternehmen und einer politischen Partei.

Sind Sie jemand, der auch schon einmal schreit, oder bleiben Sie immer ruhig?
Ja, ich kann schon auch laut werden. Am Ende des Gesprächs muss man aber eine Lösung finden. Und man muss wissen, dass Worte wie Pfeile sind, die man abschießt, aber nur schwer wieder zurückholen kann.

Was macht der Bürgermeister eigentlich an einem freien Wochenende?
Ich kann mich schon lange nicht mehr an ein freies Wochenende erinnern. Aber wenn ich einen freien Tag habe, gehe ich mit meiner Frau durch die Weinberge in meinem Heimatbezirk Floridsdorf wandern.

Gehen Sie selbst Lebensmittel einkaufen?
Ja, natürlich, wer soll sonst gehen? Nachdem ich keinen Butler habe, gehe ich natürlich selbst einkaufen.

Aber wann? Eilen Sie zwischen Sitzungen für Corona-Hilfspakete und Terminen mit dem Kardinal oder dem deutschen Finanzminister schnell zum Billa?
Ich habe unterschiedliche Einkaufsgewohnheiten. Ich geh sehr gerne auf die Wiener Märkte, sehr gerne auf meinen Heimatmarkt am Schlingerhof im 21. Bezirk. Aber ich experimentiere auch gerne mit anderen Wiener Märkten.

Lösen Sie im Supermarkt Rabattmarken ein?
Nein.

Wer putzt bei Ihnen daheim?
Das teile ich mir mit meiner Ehefrau, wobei die Mehrheit des Putzens ich übernehme, sie kocht dafür besser und mehr.

Haben Sie es jemals bereut, keine Kinder zu haben?
Da müsste ich Entscheidungen in meinem Leben bereuen, und das tu ich sicher nicht.

Unter welchen Phobien leiden Sie?
Phobien habe ich keine, aber ich habe wie viele Angst davor, krank zu werden.

Ihr Vorgänger hat seine Liebe zu weißen Spritzern nie verheimlicht. Wie viele Spritzer schaffen Sie?
Spritzer trinke ich keinen, dafür trinke ich ab und zu gerne ein Glas Wein oder auch ein Bier.

Was, glauben Sie, passiert nach dem Tod?
Ich hoffe, so wie viele Menschen, an eine Form des Weiterlebens.

Und was passiert nach der Politik?
Eine ruhigere Zeit.

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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