29.08.2020 05:00 |

Rhizarthrose

Daumenschmerz durch „smartes“ Wischen

Ein Leben ohne Handy können wir uns nicht mehr vorstellen. Doch der häufige Gebrauch des Smartphones stellt für die Finger, vor allem den Daumen eine große Belastung dar. Intensives Tippen und Wischen kann einen vorzeitigen Verschleiß im Gelenk begünstigen. 

Ständige kleine, schnelle Drehbewegungen durch Wischen und Tippen am Display - diese eintönigen Bewegungen vollführen Handynutzer täglich unzählige Male. Die Folgen: Entzündungen und Verschleiß des Daumensattelgelenks. Waren Patienten früher um die 65 Jahre alt, oft mit Vorbelastung durch handwerklichen Beruf, klagen nun schon unter 25-Jährige über Beschwerden beim Bewegen des Daumens. Einige Mediziner sprechen sogar vom „Handydaumen“ als neue orthopädische Zivilisationskrankheit.

Der stärkste Finger der Hand dient vor allem der Absicherung beim Greifen. Er soll, wie bei einer Zange, gegendrücken und richtet sich in seinem Bewegungsmuster Richtung Handinnenfläche. An Drehbewegungen durch Wischen am Smartphone hatte die Evolution bei der Konstruktion der „Greifer“ aber nicht gedacht. Zum Leidwesen des Daumensattelgelenks, dem eine vorzeitige Abnützung (Rhizarthrose) droht. „Bemerkbar macht sie sich vor allem durch Schmerzen und ersten Einschränkungen in der Kraftübertragung bei alltäglichen Bewegungen, etwa beim Drehen eines Schlüssels im Schloss oder Öffnen von Schraubverschlüssen“, so OA Dr. Markus Jakubek, Abteilung für Orthopädie und chirurgische Orthopädie am Klinikum Wels-Grieskirchen (OÖ.). Besonders Frauen, vor allem nach der Menopause, sind betroffen. „Die Veranlagung dazu ist sowohl erblich bedingt, aber auch hormonelle Umstellungen im Körper wirken sich aus.“

Mit den Jahren nimmt der Verschleiß zu, schmerzhafte Entzündungen und Bewegungseinschränkungen sind die Folgen. Röntgenbilder und eine klinische Untersuchung durch den Handspezialisten verschaffen Klarheit. Im Frühstadium helfen oft konservative Maßnahmen wie Elektrotherapie, Infiltrationen mit Kortison und eine Schienenruhigstellung. Ist die Abnützung bereits zu weit fortgeschritten, bleibt oft nur eine Operation. „In der Vielzahl der Fälle wird eine Resektionsarthroplastik durchgeführt“, erklärt der Welser Handchirurg. „Hierbei entfernt man einen Handwurzelknochen, damit es zu keiner Reibung mehr kommt. Durch eine angrenzende Sehne wird der entstandene Hohlraum aufgefüllt.“

Zunehmend an Bedeutung gewinnt auch ein innovativer Mini-Gelenkersatz am Daumenballen. „Bisher wurde das nur sehr selten gemacht, da die herkömmlichen Materialien des künstlichen Gelenks noch nicht so perfektioniert waren“, erklärt Dr. Christian Krasny, MSc., Oberarzt und Hand-Spezialteamleiter am Orthopädischen Spital Speising in Wien. Mittlerweile sind die Beschaffenheit der modernen Prothesen optimiert, und OP-Techniken derart fortgeschritten, dass betroffene Patienten eine sehr zufriedenstellende, rasche und nachhaltige Besserung ihrer Beschwerden erwarten können, wie der Experte betont.

Regina Modl, Kronen Zeitung

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